Wien - Chicago 1919: Man beginnt, von "organized crime" zu sprechen. Wien 2005: Der deutsche Forscher Dr. Klaus von Lampe von der Freien Universität Berlin weist in einem Vortrag im Rahmen der Auftaktveranstaltung zu den Europäischen Wissenschaftstagen Steyr am Montagabend darauf hin, dass der Begriff "Organisierte Kriminalität" (OK) zwar allgemein bekannt, aber bis heute nicht allgemein verbindlich definiert ist. Der Wissenschafter arbeitet derzeit an einem von der EU finanzierten Projekt, bei dem es darum geht, die nationalen OK-Lagebilder zu harmonisieren.

OK-Forschung ist laut von Lampe, der sich aus sozialwissenschaftlicher Sicht mit den Thema widmet, seit den sechziger Jahren etabliert, weltweit beschäftigen sich nicht mehr als etwa 100 Leute mit der Organisierten Kriminalität als Wissenschaft. Ungleich größer ist die Zahl der Behörden, die sich mit mehr oder weniger Erfolg mit der OK-Bekämpfung herumschlagen. Sie tritt in diversen Formen auf: Zum Beispiel als Bandenkriminalität, wobei sich die Gruppierungen grenzüberschreitenden Beutezügen verschrieben haben und rein auf den eigenen Gewinn aus sind. Oder als mafiöse Vereinigung, die für ihre Mitglieder auch eine soziale Funktion erfüllt, oder als Netzwerke, in denen sich kriminelle Gruppierungen als Partner oder in einer Art Arbeitgeber-Arbeitnehmer-Verhältnis zusammenschließen.

Breites Spektrum an Gefahren

So breit wie das Spektrum der OK sind die Gefahren. Von Lampe unterscheidet direkte Schäden - etwa durch Gewalt- und Vermögensdelikte - von indirekten, die zum Beispiel durch Drogenhandel und Steuerbetrug entstehen. Darüber hinaus kann OK die legale Wirtschaft beeinflussen und sogar den Staat.

Dass es Staaten gibt, die selbst zum Handlanger der OK werden, machte Josef Mahr vom Bundeskriminalamt (BK) klar. "Offshore"-Destinationen - unter anderem Kleinstaaten im Pazifik - bieten exzellente Möglichkeiten für die Gründung von Firmen, über die Schwarzgeld "gewaschen" werden kann. Infrastruktur steht zur Verfügung, Buchhaltung ist nicht Pflicht. Dazu gibt es Unternehmen, die so genannte Camouflage-Reisepässe verkaufen. Name und Geburtsdatum, sprich die Identität, sind vom Kunden frei wählbar. Für Ermittlungen von Strafverfolgungsbehörden stellen sie ein schier unüberwindliches Hindernis dar.

Organisierte Kriminalität ist häufig verknüpft mit Korruption. In Österreich gibt es dafür keine gesetzliche Begriffsbestimmung, Delikte werden vielfach als "Untreue" angeklagt. Allein im öffentlichen Bereich ist Korruption statistisch erfassbar. Die Kriminalstatistik weist für das vergangene Jahr 222 Fälle von Missbrauch der Amtsgewalt aus, vier von Geschenkannahme, 15 Fälle von Bestechung und fünf von Verletzung des Amtsgeheimnisses. Nach Überzeugung von Helmut Salomon vom BK ist wesentlich, dass diejenigen, die Korruption aufdecken, keinen Nachteil erleiden. Und wesentlich sei Prävention. (APA)