Hans Dichands Anwalt Michael Rami lässt die Sache ruhen. Aber nur kurz: In ein paar Tagen will er die jüngsten Storys in profil und STANDARD "mit meinem Mandanten besprechen".

profil berichtete von Mailverkehr, der belege, dass die Vorwürfe Michael Dichands gegen die Krone-Gesellschafter WAZ schon im Büro des Seniors auflagen, lange bevor Michaels Interview am 19. September 2003 im Branchenmagazin Der österreichische Journalist erschien.

Wen kümmert, wann Michaels Vorwürfe den Vater erreichten? Gerichte und die Richter im Schiedsverfahren zwischen WAZ und Dichand senior. Hans Dichand dementierte (auch vor Gericht), er habe vor der Veröffentlichung davon erfahren. Zumindest sein Büro soll den Text aber laut profil schon am 13. August 2003 versandt haben. Etwas später habe Michael den Text an den Journalist geschickt. Titel: "Entdeckungen im WAZ-Land".

O-Ton aus den "Entdeckungen"

Dem STANDARD liegt nun ein Artikel mit diesem Titel vor, datiert mit "13. 8. 03", gezeichnet mit Michael Dichands Kürzel "MJD", laut Eigenschaften erstellt am 12. 8. 2003, "Autor: Dichand".

Die Vorwürfe darin decken sich mit jenen Michael Dichands im Interview mit dem Branchenmagazin, das seinen Text so nicht veröffentlichen wollte. Mafia-Kontakte auf dem Balkan, Verbindungen zu Zigarettenschmugglern, verbotene Kartelle, angebliche Geschenke der Atomlobby.

O-Ton aus den "Entdeckungen": Die WAZ-Manager Erich Schumann und Bodo Hombach "dürften von den diversen Verstrickungen ihrer Geschäftspartner, Gönner und Freunde gewusst haben. Das würde bedeuten, beide hätten bewusst und wiederholt mit bekannten Kriminellen Geschäfte gemacht und die Medienmacht der WAZ genutzt, um Ermittlungen zu erschweren. Bodo Hombach hat darüber hinaus schon zu seiner Amtszeit als Koordinator seinen Einfluss zugunsten der WAZ ausgeübt." Von den Vorwürfen distanziert sich DER STANDARD ausdrücklich.

Thema Finanzierung

Wie finanzierte Michael Dichand die Recherchen auf dem Balkan? Das war Thema vor dem Schiedsgericht: "Ich verfüge über eigenes Geld (...) und ich habe dieses Geld auch komplett verwendet", sagte Michael dort: "Das hat mich sehr, sehr, sehr, sehr viel gekostet. Es geht an die Existenz." Geld von Vater oder Mutter dafür zu verlangen "wäre nicht möglich gewesen", erklärte er laut Protokoll.

Kaum war das Interview im Journalist erschienen, hatte Michael Dichand aber wieder Geld: Seine Mutter Helga Dichand stellte am 15. Oktober 2003 einen Scheck über 160.000 Euro aus. Jedenfalls bestätigt das Michael Dichands Anwalt, Hans Peter Draxler, in einem Dokument vom 16. Oktober, das dem STANDARD vorliegt. 160.000 Euro waren demnach ein Akonto Helga Dichands für 4000 Aktien ihres Sohnes an der oekostrom AG, für die sie insgesamt 560.000 Euro zahle. Die Aktien solle Draxler "treuhändig für seine Mutter übernehmen und verwalten", schreibt Michaels Anwalt. Für eine Transaktion zwischen Mutter und Sohn einen Anwalt und Treuhänder einzuschalten ist ein zumindest sehr akribisch angelegter Vorgang.

Hans, Michael und Helga Dichand waren für Stellungnahmen nicht erreichbar.

Laut "Financial Times Deutschland" prüft die WAZ eine Neuauflage des Schiedsverfahrens gegen Dichand. Bestätigungen dafür stehen aus. (Harald Fidler/DER STANDARD; Printausgabe, 4./5.5.2005)