Standard: Die Debatte über die Zweidrittelmehrheit für Schulgesetze hat in den letzten Monaten die Diskussion dominiert, was bedeutet die Einigung für den Schulalltag?

Nekula: Die Qualitätsdiskussion wurde dabei völlig überlagert. Jetzt müssen endlich konkrete Reformschritte angegangen werden. Vieles, was die Bildungsministerin an Maßnahmen präsentiert hat, wäre auch ohne Zweidrittelmehrheit verwirklichbar gewesen. Es ist wertvolle Zeit verstrichen. Daher unsere Forderung: Gehrer soll jetzt ruckizucki die Gesetzesentwürfe auf den Tisch legen, damit möglichst vieles bereits ab kommendem September umsetzbar ist.

STANDARD: Was ist in dieser kurzen Zeit überhaupt möglich?

Nekula: Ein kurzfristiges Konzept wäre etwa, Stundenkontingente für vorschulische Angebote zu entwickeln, damit Vor- und Volksschule stärker zusammenarbeiten. Oder dass ab September zumindest in der ersten Klasse Volksschule nicht mehr als 25 Kinder sitzen. Auch ein Tag schulinterner Lehrerfortbildung an den schulautonomen Tagen kann mit einem Federstrich erledigt werden. Das ist nicht eine Arbeit von Jahren, sondern eine Frage des Wollens.

STANDARD: Was kann die gelockerte Zweidrittelmehrheit dazu beitragen?

Nekula: Da interpretiert jeder hinein, was er gerne herauslesen möchte. Es wird sich nichts weiterbewegen. Klar kann man die "angemessene Differenzierung" als Gesamtschulmodell mit innerer Differenzierung verstehen, nur das ist ja nach wie vor eine Zweidrittelmaterie. Damit bleibt die alte Blockade aufrecht.

STANDARD: Es fällt immer wieder das Schlagwort ,Qualitätsmanagement' - was muss sich hier konkret ändern?

Nekula: In jedem Spital, in jedem Hotel bekommt man einen Fragebogen, in dem man seine Zufriedenheit ausdrückt. Dort heißt das dann Qualitätsmanagement, nur in der Schule versteht man das als "ungebührliche Einmischung von Dilettanten". Diese Feedbackkultur nach dem Motto "es interessiert uns, wie unser Angebot bei der Zielgruppe ankommt", ist einfach nicht da. Wenn man nur die Türschilder austauscht und der Bezirksschulinspektor jetzt Qualitätsmanager heißt, ändert sich nichts.