Washington - Das Verfahren gegen den Software-Riesen Microsoft wegen Verstößen gegen das US-Kartellrecht wird möglicherweise schneller abgeschlossen als erwartet. Die Zeitung "Washington Post" berichtete unter Berufung auf den zuständigen Richter des Distriktgerichtes in Washington, Thomas Penfield Jackson, das erwartete Berufungsverfahren werde möglicherweise auf direktem Weg vor das höchste US-Gericht, den Supreme Court, gebracht. Damit würde die übliche nächste Instanz des Berufungsgerichts umgangen, und das Verfahren könnte möglicherweise noch dieses Jahr abgeschlossen werden. Der übliche Instanzenweg würde den Rechtsstreit dagegen wohl bis in das Jahr 2002 oder sogar noch länger offen halten. Die Zeitung berichtete unter Berufung auf ein Gerichtsprotokoll, Jackson habe Anwälten der Regierung und von Microsoft gesagt, er wolle den Rechtsstreit so schnell wie möglich vor eine Berufungsinstanz bringen. "Ich möchte weder die Wirtschaft stören noch ihre oder meine Zeit vergeuden", zitierte die Zeitung den Richter. Jackson hatte am Montag Microsoft für schuldig befunden, seine marktbeherrschende Stellung bei Betriebssystemen für Computer missbraucht und gegen das US-Kartellrecht verstoßen zu haben. Bis zur Verkündung des Strafmaßes dafür - es drohen Sanktionen bis hin zur Aufspaltung des Konzerns - vergehen einige Monate, und erst dann ist das Einlegen einer Berufung möglich. Eine direkte Verweisung an den Supreme Court ist nach US-Recht in bestimmten Fällen von großer öffentlicher Bedeutung. In den vergangenen 25 Jahren wurde die mögliche Umgehung der Berufungsgerichte nur in einem Fall genutzt: Bei dem Rechtsstreit umd die Aufspaltung des Telekommunikationskonzerns AT&T. Voraussetzung für das beschleunigte Berufungsverfahren ist es, dass eine der beiden Parteien dieses Vorgehen beantragt. Microsoft hatte unmittelbar nach Bekanntwerden des Urteils Jacksons erklärt, eine solche beschleunigte Berufung beantragen zu wollen. Anschließend muss der Supreme Court dann noch zustimmen, den Fall anzuhören. Theoretisch könnte sich das höchste US-Gericht dann bereits im Sommer mit dem Fall Microsoft befassen. (Reuters)