Wien - Der Vorstand des Verbund hat am Dienstag die Aufsichtsräte über seine ablehnende Haltung zur "Österreichischen Stromlösung" (ÖSL) informiert, das Kontrollgremium hat aber keinen Beschluss in Sachen Austro-Stromehe gefasst, hieß es am späten Nachmittag nach der Sitzung.

Gespräche mit der EnergieAllianz

Das Klima der Aufsichtsratssitzung soll "ruhig" und "konfliktfrei" gewesen sein, hieß es nach Ende der Sitzung aus informierten Kreisen. Der Verbund soll bis zum Sommer in Gespräche mit der EnergieAllianz Klarheit über die weitere Kooperation zwischen den österreichischen Partnern schaffen.

Verbund-Vorstandschef Hans Haider hatte Ende April die 2002 vereinbarte "Stromlösung" in der bisherigen Form für tot erklärt, weil ihm die in Aussicht genommenen Synergien von 40 Mio. Euro für das eigene Haus zweifelhaft erschienen.

Haider argumentierte auch am Dienstag gegenüber seinem Kontrollgremium wieder mit einer Studie der Unternehmensberatung Booz Allen, nach der für sein Haus relativ geringe Synergien relativ hohen Risken gegenüberstünden. Haider informierte die Aufsichtsräte auch über die Modifizierungsvorschläge, die der Verbund vorletzte Woche der EnergieAllianz gemacht hatte. Der Hauptaktionär des Unternehmens (die Republik), erwarte vom Verbund einen Einstieg in das Endkundengeschäft, hat Haider dem Vernehmen nach den Aufsichtsräten gesagt.

Kein neues Wettbewerbsverfahren

In Erfüllung der Bedingungen für die Genehmigung der ÖSL durch die Brüsseler Wettbewerbshüter hatte sich der Verbund aus dem Endkundengeschäft zurückgezogen und die Großkundengesellschaft APC sowie die Beteiligungen an den alternativen Stromanbietern "My Electric" und "Unsere Wasserkraft" verkauft.

Aus den Aufsichtsratskreisen hieß es, es solle eine Lösung im "Rahmen der bestehenden kartellrechtlichen Genehmigungen" gefunden werden. Das heißt offenbar, dass die Lösung so aussehen soll, dass kein neues Wettbewerbsverfahren durch Brüssel mehr notwendig ist. Bis Sommer soll mit der EnergieAllianz fertigverhandelt werden. (APA)