Washington - Im Microsoft-Kartellprozess hat Bundesrichter Thomas Penfield Jackson einen äußerst straffen Zeitplan vorgegeben und den nächsten Gerichtstermin bereits für den 24. Mai angesetzt. Ein Urteil über das Strafmaß könnte demnach bereits Anfang Juni fallen, berichtete das "Wall Street Journal" am Donnerstag. Unterdessen traf sich Microsoft-Gründer Bill Gates in Washington mit führenden Vertretern der Republikanischen Partei, die das Verfahren anschließend verurteilten und eine Untersuchung gegen das Justizministerium forderten. Nach dem am Mittwoch veröffentlichten Zeitplan haben Regierungsanwälte und auch Microsoft bis zum 17. Mai Zeit, ihre Vorstellungen über die Strafen darzulegen. Zunächst würden die Regierungsanwälte bis zum 28. April ihre Strafforderungen auf den Tisch legen. Der Software-Gigant Microsoft könnte darauf bis zum 10. Mai reagieren und Gegenvorschläge machen. Bis zum 17. Mai hat dann die Regierungsseite wiederum Gelegenheit, auf die neuen Vorschläge einzugehen, bevor am 24. Mai um 10.00 Uhr Ortszeit in Washington die Gerichtsverhandlung beginnt. Richter Jackson deutete zudem an, dass es auch ein verkürztes Berufungsverfahren geben könnte, um dem Softwaregiganten so schnell wie möglich Gewissheit über seine Zukunft zu geben. Damit würde bei der Berufung die nächste Instanz umgangen und direkt an das Oberste Bundesgericht gehen. Ein verkürztes Berufungsverfahren ist nach Informationen der Zeitung "USA Today" äußerst ungewöhnlich. Es müsste vom Justizministerium beantragt werden und sowohl vom zuständigen Richter als auch vom Obersten Gericht gebilligt werden. Jackson hatte am Montag das Unternehmen des Milliardärs Bill Gates schuldig gesprochen, mit unfairen Mitteln Konkurrenten aus dem Geschäft gedrängt zu haben. Die Strafe könnte bis zur Zerschlagung des Unternehmens reichen. Möglich wäre auch, Microsoft zur Freigabe des geheimen Quellcodes des Windows- Betriebssystems zu zwingen. Gates war am Mittwoch zu einem "High-Tech-Gipfel" im Weißen Haus, zu dem Präsident Bill Clinton schon vor geraumer Zeit eingeladen hatte. Dabei saß er einträchtig neben dem Präsidenten und ging in seiner Rede nicht auf den Prozess ein, sondern sprach sich lediglich für eine freie Marktwirtschaft aus. Anschließend traf sich Gates aber privat mit führenden Vertretern der Republikaner, die sein Unternehmen in jüngster Zeit finanziell stark unterstützt hatte, und verstärkte seine Lobby-Arbeit. Der Mehrheitsführer im Senat, der Republikaner Trent Lott, kritisierte anschließend das Vorgehen des Justizministeriums und forderte, der Kongress müsse sich der Sache annehmen. Der einflussreiche Republikaner J.C. Watts warf der Regierung vor, mit ihrer Klage gegen Microsoft die Wirtschaft in ein totales Chaos gestürzt zu haben. Andere Republikaner machten deutlich, dass sie den Prozess im Wahlkampf gegen den demokratischen Bewerber, Vize-Präsident Al Gore, einsetzen wollten. (APA)