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Erste Runde der Parlamentswahlen in Beirut

Foto: APA/EPA/Mounzer

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Ein junger Anhänger Saad al-Hariris feiert auf den Straßen Beiruts

Foto: Reuters/Karim
Bis spät in die Nacht fuhren hupende Autokorsos mit Fahnen und Musik durch Beirut. Wie erwartet hatte Saad Hariri, der Sohn des ermordeten Premiers Rafik Hariri, die erste Runde der libanesischen Parlamentswahlen gewonnen.

Aus Mangel an Gegenkandidaten hatte die "Märtyrer-Liste" bereits vor den Wahlen neun Mandate sicher. Am Sonntag folgten nun auch die anderen zehn der insgesamt 19 in der Hauptstadt zu vergebenden Parlamentssitze. Von rund einer Million potenzieller Wähler hatten sich 420.630 registrieren lassen. Nur 28 Prozent gaben am Sonntag ihre Stimme ab.

Wenig Wahlbeteiligung

Gerade in den christlichen Vierteln blieben die meisten Wähler zu Hause, da sie nicht für eine sunnitische Liste stimmen wollten. Die Wahlbeteiligung lag in einigen christlichen Stadtteilen bei zehn und elf Prozent. Der siegreiche Saad Hariri nannte die Wahlen einen "Sieg der Demokratie". Sein Vater habe nicht umsonst "sein Blut gelassen".

Neben der "Freien Patriotischen Bewegung" von Michel Aoun hatte auch die Armenische "Tashnag Partei" zum Boykott aufgerufen. Elias Harb, ein prominentes Mitglied der "Patriotischen Bewegung", sprach von Betrug. "Das sind keine Wahlen, sondern Ernennungen."

Außer kleineren Verstößen gegen das Wahlgeheimnis, wie fehlende Vorhänge bei Wahlkabinen, hatten die 100 angereisten Wahlbeobachter der EU nichts zu kritisieren. Die Tatsache, dass es in vielen Bezirken nur einen einzigen Kandidaten gab, bezeichnete Stephano Valentino von der EU-Beobachterkommission als Teil der Demokratie. "Jeder hat die Möglichkeit, seinen Repräsentanten zu wählen, der ihm gefällt oder auch nicht." Am nächsten Sonntag gehen die Wahlen im Südlibanon weiter. Man rechnet mit einem Sieg der gemeinsamen Liste der beiden schiitischen Gruppen Hisbollah und Amal. (DER STANDARD, Printausgabe, 31.5.2005)