Ganz im Zeichen der geplanten Abschaffung des Postzeitungsdienstes steht die Klausur des Verbands Österreichischer Zeitungen (VÖZ), die vom 8. bis 11. April in Lech am Arlberg stattfindet. "Die Auspizien stehen nicht sehr gut, die Regierung will die Streichung beinhart durchziehen", sagte VÖZ-Generalsekretär Walter Schaffelhofer. An die 400 Millionen Schilling (29,1 Mill. Euro) müssen die heimischen Tageszeitungen bei einer Streichung des ermäßigten Zeitungstarifes mehr aufbringen. Magazine und Wochenzeitungen müssten 200 Mill. zusätzlich zahlen. Zum Vergleich: Die Presseförderung betrug im Vorjahr etwa 265 Mill. und wird heuer auf etwa 210 Mill. gekürzt.
Zeitungstarif: Streichung mit 1. JuliZeitungstarif: Streichung mit 1. Juli

VÖZ: "Medienpolitisch kontraproduktiv - ÖVP-Minister Molterer gegen plötzliche Abschaffung - ORF-Leistungen kein Thema - Presseclub Concordia protestiert: "Gefährlicher Anschlag auf die

Die Post hat zum Budgetbegleitgesetz eine Rechnung vorgelegt. Demnach betragen die Beförderungskosten im Rahmen des Zeitungsdienstes 2,2 Mrd. S. Dem stehen 900 Mill. an Erlösen gegenüber, was ein Defizit von 1,3 Mrd. S ergibt. 900 Millionen davon wurden bisher vom Bund abgegolten. Etwa 400 Mill. dieser Stützung entfallen auf Kaufzeitungen, heißt es aus der Post. "Eine richtige Kostenrechnung habe ich aber noch nicht gesehen", so Schaffelhofer. Und: "Die Briefträger sind auf ihren Routen ja ohnehin unterwegs, egal ob Zeitungen mittransportiert werden oder nicht." Inzwischen gibt es auch im VÖZ erste Berechngungen. Die geschätzten Mehrkosten einzelner Zeitungen unter der Annahme, dass man sich mit der Post auf den Tarif "Info-Mail mit persönlicher Anschrift" einigt: "Kronen Zeitung" und "Kurier" 130 Millionen, "Die Presse" 58 Millionen, "WirtschaftsBlatt" 40 Millionen, "Der Standard" 33 Millionen, trend/profil 28 Millionen, "Salzburger Nachrichten" 20 Millionen, "Tiroler Tageszeitung" 18 Millionen und "NÖN" 13 Millionen. Während die zusätzlichen Ausgaben bei "Kleiner Zeitung", "Oberösterreichischen Nachrichten" und "Vorarlberger Nachrichten" wegen der gut ausgebauten Hauszustellung nicht ganz so dramatisch ausfallen, muss vor allem die Verlagsgruppe News mit ihren schweren Magazinen und vielen Postabos mit deutlich höheren Beförderungskosten rechnen. Detail am Rande: Auch das FPÖ-Parteiblatt und VÖZ-Mitglied "Neue Freie Zeitung" muss sechsmal mehr an die Post überweisen. Alternative Zustelldienste möglich Bleibt die Regierung bei ihrer Haltung, plant man beim VÖZ auch "weitergehende Maßnahmen", erklärte Schaffelhofer. In Lech wollen die Herausgeber aber auch über alternative Zustelldienste sprechen. Die Hauszustellung könnte ausgebaut werden. Sobald es im Postbereich zur Liberalisierung kommt, sei es dann auch denkbar, dass die Medienunternehmen auch andere Postsendungen mitnehmen. In Deutschland machen Verlage wie Holtzbrinck der Post bereits Konkurrenz. "Das alles kann eines Tages ein beachtlicher Pyrrhussieg werden", meinte der VÖZ-Generalsekretär. Im Vorjahr stand die Frühjahrsklausur des Verlegerverbands im Schatten des Austritts der Mediaprint-Titel "Kronen Zeitung" und "Kurier". Die Abschaffung des Postzeitungsdienstes könnte die beiden Gruppen nun wieder enger zusammenführen. "Es gibt Kontakte und Tastversuche, keine globalen Überlegungen, aber das kann mithelfen, wieder aufeinander zuzugehen", sagte Schaffelhofer. Die Mediaprint und die größeren Bundesländerverlage verfügen über eine gut ausgebaute Hauszustellung. Neben dem Thema Zeitungsversand beschäftigen sich die Verleger in Lech mit kundenorientiertem Zeitungsmarketing und gemeinsamen Richtlinien und Grundsätzen des Vertriebs. Die "Auswüchse" bei Werbeprämien will man einbremsen. Walter Schrotta, Präsident des Europäischen Zeitungsherausgeberverbandes (ENPA), berichtet über aktuelle Probleme auf europäischer Ebene und zu der von ORF und VÖZ geplanten Internet-Plattform gibt es erste Zwischenberichte. "Kein Thema im Augenblick" ist das Verlegerfernsehen. Der VÖZ hatte ja private Regionalfenster in ORF 2 vorgeschlagen. "Jetzt ist die Regierung am Zug, unsere Standpunkte liegen ja am Tisch", so Schaffelhofer. Darüber hinaus findet im Rahmen der Tagung die Generalversammlung des Vereins "Zeitung in der Schule" (ZiS) statt. Lösung Die Salzburger Volkspartei erwartetet sich von der Bundesregierung die Lösung von Problemen in Zusammenhang mit der geplanten Streichung des begünstigten Zeitungs-Posttarifes. "Wir werden auf Bundesebene weiterhin massiv gegen die Streichung der Bundesmittel für den Postzeitungsversand auftreten. Landeshauptmann (Franz) Schausberger hat bereits Gespräche mit Vertretern der Bundesregierung geführt", erklärte heute, Freitag, die Landesgeschäftsführerin der Salzburger ÖVP, LAbg. Gerlinde Rogatsch, in einer Aussendung. Reaktionen aus Wien - unter anderen von Landwirtschaftsminister und VP-Mediensprecher Wilhelm Molterer - würden zeigen, dass es durchaus noch eine Chance auf eine vertretbare Lösung auf Bundesebene gebe. "Die Salzburger Volkspartei fordert von der Bundesregierung in diesem Zusammenhang eine Lösung im Sinne der ehrenamtlichen Vereine, Initiativen und der Medienvielfalt", betonte Rogatsch. Die Landesgeschäftsführerin verwies auf einen entsprechenden Antrag zur Rettung des begünstigten Posttarifes für Zeitungen im Salzburger Landtag. Die Initiative der Salzburger Volkspartei habe bereits zu einem Österreich weiten Schulterschluss der VP-Landesorganisationen in dieser Angelegenheit geführt. Hilferuf Ein Hilferuf von Salzburg nach Wien wurde in diesem Zusammenhang auch vom "Naturschutzbund Österreich" gesendet. In einem Offenen Brief an Bundeskanzler Wolfgang Schüssel, Infrastrukturminister Michael Schmid und Finanzminister Karl-Heinz Grasser wird vorgerechnet, dass die Jahresportokosten von 700.000 Schilling auf 3,5 Millionen Schilling steigen würden. Die gesamte Arbeit des Naturschutzbundes sei "massivst gefährdet", stellt Geschäftsführerin Birgit Mair-Markart in dem Schreiben fest. (APA/red)