Berlin - Die flaue heimische Konjunktur hat der Industrie in Deutschland wie auch in anderen Ländern Europas im Mai erneut Geschäftseinbußen beschert. Der deutsche BME/NTC-Einkaufsmanagerindex (EMI) sank auf 49,4 von 49,7 Punkten im Vormonat, wie die Forschungsgruppe NTC am Mittwoch mitteilte. Die Firmen erhöhten ihre Produktion nur wenig und entließen mehr Mitarbeiter als zuvor.

Italien unter Druck

Noch stärker unter Druck steht allerdings die Branche in anderen Ländern der Euro-Zone, besonders in Italien. "Die Situation in Deutschland ist besser, weil deutsche Firmen eine lange Phase struktureller Anpassung hinter sich haben, von der sie jetzt profitieren", sagte NTC-Chefvolkswirt Chris Williamson. Die deutsche Industrie verbuchte daher anders als der Rest der Euro-Zone wieder mehr Exportaufträge.

Der Index für die Euro-Zone insgesamt sank auf 48,7 von 49,2 Zählern und signalisierte mit weniger als 50 Punkten eine Verschlechterung der Geschäfte. Analysten hatten für das Währungsgebiet und auch für Deutschland eine nicht ganz so ungünstige Entwicklung erwartet. NTC-Ökonom Williamson betonte, die Umfrage unter rund 3.000 Einkaufsmanagern spreche eindeutig für eine weitere Leitzinssenkung der Europäischen Zentralbank (EZB). Die Schwächephase werde wohl anhalten. Dafür spreche auch, dass die Firmen weniger Vormaterialien einkauften.

Die Umfrage unter rund 500 Unternehmen in Deutschland zeigte erstmals seit knapp zwei Jahren in zwei aufeinander folgenden Monaten eine Verschlechterung der Geschäftssituation. Auch andere Frühindikatoren wie der Ifo-Index hatten zuletzt Sorgen geschürt, die deutsche Wirtschaft könnte nach dem guten Start ins Jahr bereits im Frühjahr erlahmen. Williamson zufolge schlug sich die deutsche Industrie dank ihrer Wettbewerbsfähigkeit noch etwas besser als die Konkurrenz aus anderen europäischen Ländern. Während die Industrie die Produktion in Deutschland unter dem Strich zumindest etwas erhöhte, stagnierte die Erzeugung in Spanien und Frankreich und ging in Italien zurück. "Wichtigster Wachstumssektor waren Investitionsgüter und die Exporte von Anlagen und Maschinen", sagte Williamson mit Blick auf Deutschland. Dagegen sank die Produktion von Konsumgütern.

Konkurrenz aus Osteuropa machen Firmen zu schaffen

Die Daten belegten Williamson zufolge aber einmal mehr die Abhängigkeit der deutschen Wirtschaft vom Export: Während sich der Auftragseingang aus dem Ausland - besonders aus den USA und aus Asien - wieder beschleunigte, gingen die Bestellungen insgesamt zurück. Die lahme Nachfrage aus Deutschland und die Konkurrenz aus Osteuropa machten den Firmen zu schaffen. Allerdings erhielt die Industrie im Rest der Euro-Zone trotz des gesunkenen Euro sogar weniger Aufträge aus dem Ausland, besonders in Italien verzeichnete die Branche insgesamt ein merklich schwächeres Neugeschäft.

Angesichts des hohen Wettbewerbsdrucks versuchten die Unternehmen NTC zufolge, die Kosten weiter zu senken. Den Sparanstrengungen fielen besonders in Deutschland erneut viele Arbeitsplätze zum Opfer: Der Beschäftigungsindex sank hier mit 46,9 Punkten auf den niedrigsten Stand seit eineinhalb Jahren. Dank des billigeren Öls stiegen die Kosten zwar nicht mehr so stark wie zuletzt, aber die schwache Nachfrage und der Konkurrenzdruck zwang die Firmen gleichzeitig, ihren Kunden Preisnachlässe zu gewähren. Erstmals seit 15 Monaten sanken die Verkaufspreise unter dem Strich in der gesamten Euro-Zone. (APA/Reuters)