Sie meiden die Stadt, weil der Freund vom Cousin eines Arbeitskollegen hier auf offener Straße ausgeraubt wurde. Und weil sie gelesen haben, dass der Smog hier un-er-träg-lich sei. Und weil ohnehin jeder weiß, dass Mexicoreisen dank Moctezumas Fluch unweigerlich auf dem Klo enden. Zugegeben: das mit dem Smog stimmt. Doch bei den Geschichten über Durchfälle und Überfälle handelt es sich um extreme Übertreibungen, und für beides gilt: Wer ein bisschen aufpasst, der bleibt gesund und unbestohlen. Womit wir auch schon bei den richtigen Gründen für einen Besuch wären: Die belebten Straßen und Plätze. Und die Küche. Die vor allem. Wer ein bisschen kulinarischen Wagemut beweist, wird diese Stadt lieben. Kleine Überlebensregel: Vor der Verkostung diverse Saucen "Salsas" immer fragen, ob sie scharf sind. "Pica mucho?" heißt das. Wo die Antwort ein "No" ist, kann man gefahrlos seine Tortilla eintunken.


Erster Tag

Beginnt am Zocalo, im Zentrum der Stadt. Auf die Mauern des Patios im Präsidentenpalast hat Diego Rivera seine berühmten Murales gemalt. Wer sie ausführlich besichtigt, spart sich einen Grundkurs in mexikanischer Geschichte. Übrigens hat Diego seine Frau Frida Kahlo hier verewigt - wir werden sie am zweiten Tag wieder treffen. Neben dem Präsidentenpalast finden sich die Ausgrabungen des alten Aztekentempels. Wer sich schwer tut, in den Resten alten Gemäuers ein Gebäude auszumachen, sollte in die U-Bahnstation unter dem Zocalo hinuntersteigen. Dort steht, in einer Glasvitrine, ein zwar simples, aber anschauliches Pappmodell des Templo Mayors. Nach soviel Geschichte kommt die Hauptsache dran: der Magen. Gut gefüllt wird er im Cafe Tacuba (siehe ganz persönlich). Danach ist ein Verdauungsspaziergang fällig, zum Beispiel zur Plaza de Santo Domingo - dem Platz der Briefschreiber. Hier können sich Analphabeten professionelle Briefschreiber mieten. Am Nachmittag: Ausflug nach Chapultepec, dem Schloss, wo der unglückselige österreichische Statthalterkönig Maximiliano residierte. Er nahm kein gutes Ende: Juarezs Revolutionäre erschossen ihn. Landsleute, die das grämt, können den Kummer abends auf der Plaza Garibaldi mit ein paar Tequilas hinunterspülen. Hier haben die Mariachi-Bands ihren Platz.


Zweiter Tag

Bald aufstehen und ein Taxi reservieren. Zwar bieten fast alle großen Hotels organisierte Pauschaltrips zu den unvermeidlichen Pyramiden in Teotihuacan, doch die sind teuer und vor allem zeitraubend. Mit einem eigenen Taxista reist sich's rascher und bequemer. Pauschaltarif aushandeln! Am Nachmittag kann man den Chauffeur gleich in den Süden der Stadt dirigieren, ins Künstlerviertel Coyoacan. Unweit vom Hauptplatz des Viertels liegt das Haus von Frida Kahlo, bunt und bedrückend zugleich - genau wie ihr Leben und ihre Bilder. "Gelassen grausam" nannte Diego Rivera den Stil seiner Frau. Sie starb 1954, mit nur 47 Jahren.

In der Calle Tacuba, fünf Minuten vom Zentrum Zocolo, liegt das Cafe Tacuba, ein wunderhübsches Restaurant mit traditioneller Küche. Für einen Querschnitt durch Mexicos Spezialitäten sollte man die Cuatro Cositas, die "vier Sächelchen", bestellen. Oder Enchiladas Suizas, Maistortillas in grüner Tomatensauce. Oder Chilaquiles. Ganz mutige ordern Mole Poblano, Huhn in Kakao-Chili-Sauce. Und zum Nachtisch Atole, ein zimtiges, dickrahmiges Getränk aus Maismehl.