Hunzenschwil - In den römischen Ziegelhütten beim aargauischen Dorf Hunzenschwil sind Reste eines antiken Industriebetriebs entdeckt worden. Laut den Archäologen sind die Funde bislang einmalig für die Schweiz. Ausgegraben wurden Reste von zwei Lagerhallen und anderen Infrastrukturbauten der römischen Ziegeleien. Die Hallenbauten stammten aus der zweiten Hälfte des 1. Jahrhunderts nach Christus, wie die Aargauer Kantonsarchäologie am Donnerstag mitteilte.

Herausragend ist laut den Forschern der Grundriss einer ungefähr zwölf mal 40 Meter großen, mehrschiffigen Halle. In dieser wurden Ziegel geschlagen und danach während Monaten getrocknet. Zur Halle gehörte zudem ein ausgeklügeltes Wasserversorgungssystem. Die Funktion weiterer Einrichtungen, die ebenfalls zu der Halle gehörten, sei indes noch nicht geklärt. In einer zweiten Halle fand sich jedoch eine mit Ziegeln ausgelegte rechteckige Grube, in der Lehm geschlämmt wurde. Unter beiden Hallenbauten entdeckten die Archäologen zudem Spuren früherer Anlagen. Weiter förderten sie bei den Ausgrabungen vor allem Ziegel und wenige Fragmente von Gebrauchskeramik zu Tage.

Ausschussware

Nördlich von Hunzenschwil befanden sich in römischer Zeit große Ziegeleien und Töpfereien. Die im Heerlager Vindonissa beim heutigen Windisch stationierten Legionen stellten dort Ziegel sowie Bau- und Gebrauchskeramik her. Da das Ziegelbrennen in den antiken Brennöfen nicht mit der heute möglichen Präzision gesteuert werden konnte, entstanden große Mengen von Ausschussware. Diese wurde zusammen mit Schutt von reparierten oder abgebrochenen Öfen zur Befestigung von Plätzen oder zum Verkeilen von Pfosten verwendet.

Im Ziegelschutt stießen die Forscher nun auf zahlreiche Ziegel mit den Stempeln der XXI und XI Legion. Dies erlaubte die genaue Datierung der Hallenbauten und der dazugehörigen Infrastruktur, wie es in der Mitteilung heißt. Die Fundstelle bei Hunzenschwil ist seit dem 19. Jahrhundert bekannt. Letztmals gruben die Archäologen im Sommer 2002 Ziegel-und Töpferöfen aus. Seit vergangenem März untersuchte nun ein Team der Kantonsarchäologie auf einer Fläche von 3000 Quadratmetern die Spuren des großen Industriebetriebs. (APA/sda)