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Der Sieger im Machtkampf beim FC Barcelona: Präsident Joan Laporta.

Foto: REUTERS/Gustau Nacarino

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Der Verlierer: Vize Sandro Rosell.

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Barcelona/Madrid - Nicht einmal drei Wochen nach dem Gewinn der spanischen Fußballmeisterschaft ist der Hauskrach beim FC Barcelona eskaliert. Vizepräsident Sandro Rosell erklärte am Donnerstag seinen Rücktritt. Der 41-Jährige zog damit die Konsequenz aus einem seit Monaten schwelenden Machtkampf mit dem "Barca"-Präsidenten Joan Laporta.

Drei Abgänge

"Ich bin der Verlierer", räumte Rosell ein, der als der Architekt der Renaissance der Blauroten gegolten hatte. "Ohne mich kann Laporta ruhiger arbeiten." Mit dem Vize legte auch das Vorstandsmitglied Josep María Bartomeu sein Amt nieder. Damit verlor der Club in einer Woche drei Führungskräfte, nachdem am Dienstag bereits der Chef der medizinischen Abteilung, Jordi Mones, zurückgetreten war.

Auswirkungen auf Team?

Der Rücktritt Rosells löste in Barcelona Befürchtungen aus, ob die Katalanen ihre Erfolgself um Ronaldinho & Co. zusammenhalten können, die erstmals nach sechs Jahren wieder den Titel in der Primera Division gewann. Rosell, ein Ex-Manager des Nike-Konzerns, hatte mit seinen Südamerika-Beziehungen die Verpflichtung von Ronaldinho und Deco in die Wege geleitet. Die Fans fragen sich nun: Bleiben der Weltfußballer des Jahres 2004 und der aus Brasilien stammende Portugiese bei Barca, nachdem ihr Vertrauensmann gegangen ist?

Laporta und Rosell hatten vor zwei Jahren einen Club übernommen, dessen Schuldenberg Schwindel erregend war und dessen Fußballer nur Misserfolge anhäuften. Die einstigen Jugendfreunde vollbrachten ein kleines Wunder. Sie bauten mit Trainer Frank Rijkaard ein Team auf, das endlich wieder einen Titel holte und das - was für die Katalanen besonders wichtig ist - den Erzrivalen Real Madrid fußballerisch in den Schatten stellte.

Zwei Lager

Aber dann tat sich ein Riss zwischen dem Clubchef und dessen Vize auf, der nicht mehr zu kitten war. In der Barca-Führung standen einander plötzlich zwei Lager gegenüber. Laporta führte mit Rijkaard und dem Ex-Weltstar Cruyff das Lager der "Niederländer" an, Rosell das der "Brasilianer". In dem Streit ging es auch darum, welche Rolle Cruyff im Club spielte. Das einstige Fußballidol hatte die Wahl Laportas unterstützt, aber selbst jedes Amt im Vorstand abgelehnt.

Die "Brasilianer" erhoben den Vorwurf, dass Cruyff von außen in den Club hineinregiert, Laporta die wichtigen Entscheidungen mit dem Niederländer ausklügelte und die Rosell-Leute an den Rand gedrängt habe. Cruyff wies dies zurück: "Der einzige Rat, den ich gegeben habe, war die Verpflichtung von Rijkaard vor zwei Jahren." (APA/dpa)