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Hisbollah-Führer Scheich Hassan Nasrallah auf einem Plakat in der südlibanesischen Stadt Ansar

foto: AP/Bandic
Beirut - Das Schiiten-Bündnis aus Hisbollah ("Partei Gottes") und Amal ("Hoffnung") hat sich am Sonntagabend zum Sieger der zweiten Runde der Parlamentswahl im Libanon erklärt. Die beiden Gruppierungen traten erstmals gemeinsam an. Der stellvertretende Hisbollah-Führer Scheich Naim Kassem und Amal-Chef Nabih Berri erklärten nach Schließung der Wahllokale, sie hätten alle 23 im Süden des Landes zu vergebenden Mandate gewonnen.

In der Region, die an Israel grenzt und die jahrelang Schauplatz der Kämpfe zwischen den Terrororganisationen, Milizen und israelischen Soldaten war, wohnen vor allem schiitische Moslems. Wahlberechtigt waren 665.000 Männer und Frauen. Kreisen des Innenministeriums zufolge lag die Wahlbeteiligung bei 45 Prozent. Das offizielle Endergebnis aus dem Süden soll am Montag bekannt gegeben werden.

Hisbollah gegen Israel

"Ich danke allen Menschen im großartigen Süden dafür, dass sie ihr Vertrauen in das Bündnis erneuert und den Sieg aller Kandidaten ermöglicht haben", sagte Berri bei einer Pressekonferenz. Vor Berris Villa feierten Hunderte von Amal-Anhängern, während die ersten Wahlergebnisse bekannt wurden. Andere fuhren hupend durch Dörfer und Städte im Südlibanon und schwenkten die gelben und grünen Fahnen von Amal und Hisbollah. Schließlich erreichten die Feiern auch Beirut, wo über dem Stadtzentrum Feuerwerke zu sehen waren.

Während sich in den übrigen Region des Libanons die politischen Lager vor allem über ihre Position zu Syrien definieren, steht im Süden der Widerstand gegen Israel im Vordergrund. Parlamentspräsident Berri rief die Bevölkerung auf, die Wahl zum Referendum gegen die UN-Resolution 1559 zu machen. Darin verlangten die Vereinten Nationen im vergangenen Jahr neben dem inzwischen verwirklichten Abzug der syrischen Truppen aus dem Libanon auch die Entwaffnung der Milizen. Eine hohe Beteiligung an der Wahl werde den Widerstand gegen die Resolution stärken, sagte der Hisbollah-Kommandant im Südlibanon, Scheich Nabil Kauk.

Hisbollah und Amal: Treue Verbündete Syriens

Die Hisbollah hoffte, ihre politische Position bei den Wahlen noch ausbauen zu können. Im bisherigen Parlament stellte die Hisbollah neun der 128 Abgeordneten. Sie hat insgesamt 14 Kandidaten aufgestellt.

In der ersten Runde der Parlamentswahl errangen Kandidaten der anti-syrischen Opposition alle 19 Mandate im Großraum der Hauptstadt Beirut. Die Protestbewegung gegen Damaskus gewann in der vergangenen Woche weiteren Zulauf, nachdem am Donnerstag der antisyrische Journalist Samir Kassir einem Mordanschlag zum Opfer gefallen war. Mehrere hundert Teilnehmer eines Trauerzugs protestierten am Samstag gegen Syrien und forderten den Rücktritt von Präsident Emile Lahud.

Hisbollah und Amal gelten als treue Verbündete Syriens, das rund 30 Jahre lang die Politik in dem kleineren Nachbarland dominiert und sich erst Ende April unter internationalem Druck aus dem Libanon zurückgezogen hatte. Die in vier Runden stattfindenden Wahlen, bei denen insgesamt 128 Abgeordnete gewählt werden, sind die ersten ohne direkten syrischen Einfluss. Sie könnten den Beginn einer neuen politischen Ära bedeuten, sollte die anti-syrische Opposition wie erwartet landesweit gewinnen.

Kommender Sonntag: Wahlen im Zentral-Libanon

Am kommenden Sonntag wird im Zentral-Libanon und im Osten des Landes gewählt. Das Wahlsystem garantiert Moslems und Christen letztlich dieselbe Zahl an Parlamentssitzen. Rund 59 Prozent der Wahlberechtigten im Land sind Moslems, 41 Prozent Christen.

Nach Angaben des Leiters der EU-Wahlbeobachtermission, José Ignacio Salafranca Sánchez-Neyra, verlief der Urnengang ohne Zwischenfälle. Übergangsministerpräsident Najib Mikati äußerte sich in der südlibanesischen Stadt Sidon ebenfalls zufrieden über den ruhigen Verlauf der Wahlen, die in "demokratischer Atmosphäre" verlaufen seien. Am vergangenen Donnertag war in Beirut der syrienkritische Journalist Samir Kassir bei einem Anschlag getötet worden. Für die zweite Wahlrunde wurden deshalb die Sicherheitsmaßnahmen verstärkt.

Am Samstag hatten bei einer bewegenden Trauerfeier in Beirut Tausende Abschied von Kassir Abschied genommen. Für die Bluttat macht die libanesische Opposition Syrien verantwortlich. Sie fordert den Rücktritt des syriennahen libanesischen Präsidenten Emile Lahoud. Eine ursprünglich für diesen Montag angekündigte Großdemonstration in der Hauptstadt wurde am Sonntagabend jedoch kurzfristig abgesagt.

Bei einer Auseinandersetzung zwischen Vertretern rivalisierender Listen wurden am Sonntag in der Stadt Sofar in der Bergregion östlich von Beirut sieben Menschen verletzt. In der Region soll erst am kommenden Sonntag gewählt werden. Nach Angaben der staatlichen Nachrichtenagentur Ani ereignete sich bei dem Streit zwischen Anhängern des oppositionellen Drusenchefs Walid Joumblat und dem pro-syrischen Drusenvertreter Talal Arslan ein Schusswechsel. Die libanesische Armee habe mehrere Menschen festgenommen und ihre Patrouillen verstärkt, hieß es weiter.

Die Parlamentswahlen im Libanon sind die ersten nach dem Rückzug der syrischen Truppen aus dem Land im vergangenen April. Die Wahlen werden unter der Aufsicht internationaler Beobachter in vier Runden abgehalten. Die erste Wahlrunde vor einer Woche hatte die syrienkritische Opposition klar gewonnen.

Nach der Ermordung des Ex-Regierungschefs Rafik al-Hariri hatte Damaskus unter Druck von Massenprotesten im Libanon und unter internationalem Druck nach 29 Jahren seine Truppen aus dem Nachbarland abgezogen. Nach jüngsten Morddrohungen gegen Joumblat und Saad al-Hariri, den Sohn von Ex-Premier Hariri, werden weitere Attentate befürchtet. (APA/AP/Reuters)