Wien/London - Die Weltwirtschaft ist 2004 so schnell gewachsen wie seit 20 Jahren nicht mehr. Der Grund dafür liegt laut Forschungsabteilung der britischen Nachrichtengruppe "Economist", dem Economist Intelligence Unit (EIU), in einer deutlich höheren Liquidität der Unternehmen, einer stimulierenden Wirtschaftspolitik und einem steigenden Welthandel.

Diese Faktoren werden nun aber langsam umgekehrt, heißt es in der jüngsten EIU-Studie. In vielen Volkswirtschaften steigen die Zinsen und die Liquidität werde schrittweise von der Weltwirtschaft aufgesogen. Der fiskalpolitische Anreiz nehme ab und die globalen Handelsflüsse gehen zurück. In der Folge davon habe das Konjunkturwachstum in den meisten großen Volkswirtschaften abgenommen.

Gute Ausblicke für 2005 und 2006

Der wirtschaftliche Ausblick für 2005 und 2006 bleibe aber nach wie vor gut. Die Wachstumsrate wird laut EIU ähnlich gut wie in den 90er Jahren sein, aber im Vergleich zur Spitzenleistung von 2004 stelle sie eine deutliche Abschwächung dar. Auch die Struktur des Wirtschaftswachstums habe sich verändert: die Trends in der Inlandsnachfrage werden in Relation zum Außenhandel immer wichtiger.

Das EIU geht davon aus, dass sich das globale Wirtschaftswachstum auf Basis von Kaufkraftparitäten von 5,1 Prozent 2004 auf 4,3 Prozent 2005 und 4 Prozent 2006 verlangsamen werde. Gemessen an BIP-Werten auf Basis von Wechselkursen, die den Schwerpunkt eher auf OECD-Länder legen und Wechselkurse reflektieren, zu denen Unternehmen Handel betreiben und Gewinne repatriieren, wird sich die Weltwirtschaft laut EIU von 4 Prozent 2004 auf 3,1 Prozent 2005 und 2,9 Prozent 2006 verlangsamen.

Prognosen für Japan und Italien revidiert

Auf einzelne Länder bezogen hat das EIU folgende Prognosen maßgeblich revidiert: Japans BIP-Wachstum wurde von 0,9 auf 1,3 Prozent nach oben verändert, auf Grund unerwartet starker Wachstumsdaten für das erste Quartal 2005. Italiens Wirtschaftswachstum wurde für 2005 deutlich nach unten revidiert - von 0,9 auf 0,1 Prozent, weil die Daten für das erste Quartal 2005 zeigten, dass die Wirtschaft nun das zweite Quartal in Folge rückläufig war.

Die Prognosen für die US-Inflation im Jahr 2005 wurden von 2,9 auf 3,2 Prozent nach oben revidiert, weil sich die hohen Energiekosten schneller als erwartet auf andere Sektoren durchschlagen. Das EIU geht davon aus, dass der US-Dollar gegen der Euro 2005 leicht stärker tendieren wird als bisher angenommen, nämlich bei 1,32 Dollar gegenüber den bisherigen Prognosen von 1,35 Dollar, was die Dollarstärke in den vergangenen Monaten widerspiegle. Dennoch hält das Institut an der Prognose fest, dass der Dollar Ende 2005 und Anfang 2006 deutlich fallen werde. (APA)