Warschau/Paris/Madrid - Zur Entscheidung der britischen Regierung, die Ratifizierung der europäischen Verfassung auszusetzen, schreibt die konservative polnische Zeitung "Rzeczpospolita" am Dienstag:

"Zwei Jahre nach der Intervention im Irak ist Europa erneut tief gespalten. Der britische Außenminister Jack Straw hörte nicht auf den Appell der Führer Deutschlands und Frankreichs und verkündete, dass sein Land den Ratifizierungsprozess der europäischen Verfassung aussetzt. Offiziell will London auf diese Weise die Verantwortung für den letzten Sargnagel für die Verfassung vermeiden. Dazu würde es kommen, wenn die Briten den Verfassungsvertrag massenhaft zurückweisen. (...)

Kein anderes Land steht an der Seite Großbritanniens. Nicht einmal die euroskeptischen Dänen wollten den Ratifizierungsprozess unterbrechen. Die polnische Regierung sprach sich für seine Fortsetzung aus; Italien und Spanien dagegen, die von zwei Jahren (US-)Präsident Bush unterstützen, haben die Verfassung bereits gebilligt. Die Briten sind isoliert. Es gibt nicht mehr die Teilung in das 'alte' Europa, das es mit den Deutschen und den Franzosen hält und das 'neue' mit den Angelsachsen."

"El Mundo" (Madrid):

"Der britische Premierminister Tony Blair gab der EU-Verfassung den Rest. Ohne Frankreich und Großbritannien ist es zwecklos, das Projekt fortzusetzen. Jede weitere Ablehnung der Verfassung durch Länder wie Dänemark würde die Krise verschärfen. Die einzige Alternative ist, die Zusammenarbeit auf Gebieten wie Wirtschaft, Forschung, Justiz, Außenpolitik und Verteidigung zu vertiefen.

Vielleicht können die Bürger mit konkreten Tatsachen von den Vorteilen eines vereinten Europas überzeugt werden. Zuvor aber muss Selbstkritik geübt werden. Man kann sich nicht der Zukunft zuwenden, ohne die Fehler der Vergangenheit begriffen zu haben." (APA/dpa)