Wien - Bildungsministerin Elisabeth Gehrer (V) hat Mittwoch Nachmittag im Nationalrat deponiert, dass sie nicht an eine Ablöse des Direktors des Kunsthistorischen Museums, Wilfried Seipel, denkt. Weder habe das Kuratorium solch einen Antrag gestellt noch bestehe Gefahr im Verzug, meinte die zuständige Ressortchefin bei der Debatte eines Dringlichen SPÖ-Antrags. Die Rechnungshof-Kritik an Seipel sieht sie im Zusammenhang damit, dass die Prüfung für die schwierige Umstellungsphase bei der Ausgliederung vorgenommen worden sei.

Gehrer forderte die SPÖ auf, nicht die österreichischen Museen durch Skandalisierungsversuche zu schädigen. Auf die Kritik des Rechnungshofs habe man bereits reagiert. So soll etwa bei größeren Ausgaben ein Vier-Augen-Prinzip etabliert werden. Das bedeute aber nicht automatisch, dass neben Seipel ein zweiter kaufmännischer Direktor etabliert werde, betonte die Ministerin. Überdies werde die innere Revision mit einer Berichtspflicht an das Kuratorium ausgebaut.

Große Aufgabe

Die von der SPÖ kritisierte finanzielle Entlohnung Seipels verteidigte Gehrer. Schließlich habe man dem Direktor auch eine große Aufgabe übergeben. Überdies sei es unter seiner Ära gelungen, den Eigendeckungsgrad von gut 37 auf knapp 41 Prozent anzuheben. 6,6 Millionen Besucher insgesamt machten das KHM nach Schloss und Tiergarten Schönbrunn zu einem der wichtigsten Besucherzentren in Österreich.

In der Begründung des Antrags hatte der geschäftsführende SPÖ-Klubobmann nochmals heftige Kritik an Seipel geübt. Die Forderung nach dem Rücktritt komme ja eigentlich schon vom Rechnungshof. Dessen Empfehlung sei im Wesentlichen, den Geschäftsführer des Kunsthistorischen Museums abzulösen, interpretierte Cap.

Kritik an Bezügen

Bekrittelt wurde vom SP-Klubchef unter anderem, dass sich die Bezüge Seipels von 1998 bis 2002 auf das Zweieinhalbfache erhöht hätten - und das obwohl sich diverse Verfehlungen gezeigt hätten. Unfassbar ist für Cap dabei etwa, dass Originalabrechnungen über 189.000 Euro nicht vorgelegt werden konnten. Bedenklich findet er es auch, dass Kunststaatssekretär Franz Morak (V) seine Geburtstagsfeier vom KH spendiert worden sei.

Für Cap stellt sich weiters die Frage, ob nicht Bereichungsvorwürfe angebracht seien und auch in Sachen Steuerhinterziehung müsse man untersuchen. Um solch eine Performance wie jene Seipels abzuliefern brauche man ein Kuratorium, "dem das egal ist und eine Ministerin, die das deckt". Gegen das Kunsthistorische Museum sei ja Sodom und Gomorra ein Luftkurort, tönte Cap.

Abgelehnt

Die Koalition hat Mittwoch Nachmittag im Nationalrat den Dringlichen SPÖ-Antrag zur Abberufung des Direktors des Kunsthistorischen Museums, Wilfried Seipel, abgeschmettert. Nur die Grünen unterstützten die Initiative der Sozialdemokraten. Bildungsministerin Elisabeth Gehrer (V) hatte in der Debatte die Arbeit Seipels verteidigt und ein Ablöse mit dem Argument abgelehnt, dass weder das Kuratorium das wünsche noch Gefahr in Verzug bestehe.

(APA)