Wien - Jubiläen bilden den Schwerpunkt des am 20. Juni im Dorotheum zu versteigernden Angebotes an Manuskripten, Briefen oder handschriftlichen Dokumente. Und das beginnt gewissermaßen schon beim Autografen-Experten Andreas Löbbecke, der heuer sein zehnjähriges Berufsjubiläum feiert.

Ansonsten präsentiert sich die von ihm zusammengetragene Auswahl diesmal besonders hochkarätig, ist sie doch mit nahezu allen namhaften 2005er-Jubilaren bestückt. Darunter ein Albumblatt des dänischen Dichters Hans Christian Andersen, der heuer seinen 200. Geburtstag gefeiert hätte. Der Rufpreis für die schlichte, am 20. Jänner 1855 eingetragene Botschaft, Das Leben selbst ist das schönste Märchen, liegt bei 1000 Euro.

Schiller, Stifter . . .

Mit 12.000 bzw. 10.000 Euro deutlich höher angesetzt wurden Friedrich v. Schillers (200. Todestag) 1788 und 1789 an seinen Freund Christian Gottfried Körner verfassten Briefe. Im dreiseitigen Brief aus Jena (1789) rät Schiller seinem Freund das "Recensieren" von Jahrgängen des Deutschen Merkur, einer einflussreichen philosophischen Reihe. Er, Körner, werde sich "... in Respect setzen und einigen armen Sündern kannst du die Wahrheit trefflich sagen".

Von Adalbert Stifter (200. Geburtstag) findet sich im Angebot eine ausführliche und bislang unpublizierte Nachricht vom 19. August 1857 an den Verleger Gustav Heckenast zum Druck von Stifters großer Erzählung Der Nachsommer. Ludwig van Beethovens Schreiben an Nikolaus v. Zmeskall vom Mai 1813, mit dem Auftrag, das ihm 1810 gewidmete Quartett aus F-Moll abschreiben zu lassen, ist der erklärte Höhepunkt der Autografen-Auswahl. Die Erwartungen für das später Streichquartett f-Moll op. 95 benannte Stück, uraufgeführt im Mai 1814, liegen bei zumindest 24.000 Euro. Das Originalmanuskript der Komposition befindet sich seit 1839 in der Sammlung der Österreichischen Nationalbibliothek. Unter der insgesamt 413 Positionen umfassenden Offerte befinden sich des Weiteren Autografen vom Dramatiker Ferdinand Raimund sowie von den Komponisten Anton von Webern, Robert Schumann, Felix Mendelssohn Bartholdy oder von Anton Bruckner. (kron/ DER STANDARD, Print-Ausgabe, 9.6.2005)