Bis es zum Kasernen-Verkauf kommt, werden wohl noch ein bis zwei Jahre vergehen. Denn aller Voraussicht nach werden zunächst alle 51 Liegenschaften in eine eigene Immobiliengesellschaft ausgelagert, in der Vertreter des Heeres, der Bundesimmobiliengesellschaft (BIG) und externe Experten vertreten sein werden. Hintergrund dieser Lösung: Würde das Heer der BIG die Kasernen zum Verkauf überlassen, flöße der Verkaufserlös an den Finanzminister. Durch die Gesellschaft wird sichergestellt, dass das Geld direkt dem Heer zugute kommt. Ob es tatsächlich eine Milliarde Euro sein wird, steht in den Sternen.

Aufgabe der Immobiliengesellschaft wird es sein, das sehr heterogene Immobilien-Paket zu bewerten und zu entwickeln. Weniger rentable Immobilien wie Truppenübungsplätze, Bunker oder Grenzhäuser werden wohl sofort abgestoßen. Bei Kasernen oder Amtsgebäuden wird zu entscheiden sein, welche entwicklungsfähig sind und welche nicht. Eine wesentliche Rolle kommt den Bürgermeistern zu. Sie sind in den Gemeinden oberste Bauinstanz und entscheiden über die notwendige Umwidmung in Wohnhäuser, Geschäftslokale, Einkaufszentren oder Pflegeheime. Auch das Denkmalamt hat ein Wort mitzureden - da alle Bundesliegenschaften denkmalgeschützt sind, sagen die Beamten, ob die Gebäude abgerissen werden dürfen oder nicht.

Grundsätzlich gilt, dass alle Liegenschaften im Stadtbereich relativ leicht zu verwerten sind. Das gilt insbesondere für Wien, wo der Chef der gemeinnützigen Wohnbaugesellschaft Sozialbau, Herbert Ludl, bereits ein Auge auf die Schmelz und die Breitenseer Kaserne geworfen hat. Er bietet sich als Vermittler zwischen dem Heer und der Gemeinde Wien an. Seine ausgezeichneten Kontakte zur Stadt könnten die Genehmigungsverfahren erheblich verkürzen. Denn eines steht fest: Wenn der Bürgermeister nicht die gewünschte Widmung gibt, bleibt die Kaserne unverwertbar. Erste, positive Erfahrungen machte Ludl mit der Wilhelmskaserne. Auf dem ehemaligen Kasernengelände werden derzeit geförderte Wohnungen errichtet.

Probleme bereitet allerdings das häufig mit Chemikalien kontaminierte Erdreich der Heeres-Liegenschaften, das über Generationen verunreinigt wurde. Oft sind diese Liegenschaften "noch geschenkt zu teuer", urteilen Experten. (DER STANDARD, Printausgabe, 9.6.2005)