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Will einmal mehr neu anfangen: Werner Böhm.

Foto: APA/ACHIM BIENIEK
Wien - Um einen Euro kauft Werner Böhm, ein mit der Internetfirma YLine seinerzeit spektakulär gescheiterter und weiterhin von einem Prozess bedrohter Unternehmer, die Firma FirstInEx.

Bei dieser Firma, seinerzeit ein Firmen-Spin-off von YLine, handelt es sich um eben jenes Unternehmen, das nebst anderen die umstrittene Homepage www.karlheinzgrasser.at erstellt hat, finanziert aus Mitteln der Industriellenvereinigung.

Verein zur Förderung der New Economy

Die Industrie-Zuwendung an den Grasser-nahen Verein zur Förderung der New Economy und deren steuerliche Behandlung respektive Nicht-Behandlung sorgten monatelang für Schlagzeilen.

Turbulenzen hatte unter anderem auch ausgelöst, dass Grassers Vater Karl über den Klagenfurter Anwalt Stephan Medwed Aktien an FirstInEx gehalten hatte. Die Gerüchte, wonach auch der Finanzminister selbst an dem Unternehmen beteiligt war, dem der New-Economy-Verein den lukrativen Homepageauftrag zukommen ließ, wollten lange nicht verstummen. Finanzminister Grasser bestritt diese Firmenbeteiligung stets.

Alle betreffenden Unterlagen des Unternehmens übernimmt nun Werner Böhm. FirstInEx selbst hat das halbe Eigenkapital aufgezehrt und steht wirtschaftlich auf wackeligen Beinen. Böhm bestreitet jedoch vehement, sich mit FirstInEx nur eine Firmenhülle, dafür aber ein politisches Druckmittel gekauft zu haben, um eventuell leichter aus seinem eigenen Verfahren heraus zu finden.

"Deal hat absolut nichts mit Grasser zu tun"

Böhm zum STANDARD: "Dieser Deal hat absolut nichts mit Grasser zu tun. Es gibt keine neuen Hinweise darauf, dass Grasser selbst an der Firma beteiligt war. Das hat sich ja außerhalb der Firma abgespielt. Um diese Frage zu klären, müsste man die Kanzlei Medwed übernehmen."

Böhm spricht von einem "tragfähigen" Firmenkonzept der FirstInEx, die traditionell Internetdienstleistungen für die Versicherungsbranche anbot. "Ich hole mir meine alten Sachen wieder, wenn sich die Gelegenheit bietet", so Böhm in Anspielung darauf, dass ihm FirstInEx einmal zu 80 Prozent gehörte, zwischenzeitlich aber zur Beteiligungsgesellschaft Amis gehört.

YLine:Hoffen auf Zwangsausgleich

Darüber hinaus hofft er weiter auf einen Zwangsausgleich bei YLine. Dies würde wahrscheinlich zur Einstellung der Verfahren gegen ihn führen. In dem Konkursverfahren hat der Masseverwalter einen Vergleich mit dem größten Gläubiger IBM geschlossen.

IBM zahlt 3,1 Mio. Euro in die Konkursmasse, dafür werden 18 Mio. Euro an IBM-Forderungen anerkannt. Von jedem Euro, der an die YLine-Gläubiger nach Abschluss des Insolvenzverfahrens fließen wird, bekommt IBM rund 70 Cent. (Michael Bachner , DER STANDARD, Print-Ausgabe, 09.06.2005)