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Philharmoniker spielten, Leute kamen zahlreich, erlebten aber auch, wie sich der Winter im Sommer anfühlt.

Foto: AP/ Hans Punz
Wien - Der 8. Juni wird in die Geschichte als ein milder Wintertag eingehen; auch als der zweite Tag, an dem ein durch eine Decke gewärmter Bundeskanzler Wolfgang Schüssel (kürzlich 60 geworden) berechtigt war, "mit dem Seniorenticket zu fahren" (Philharmonikerchef Clemens Hellsberg). Und auch als Tag, an dem der Dirigent Zubin Mehta das Konzert vor 90.000 Leuten mit den Worten "Die Mehlspeise wartet!" beendete.

Wer, wie die meisten, schon ein Stündchen vor dem Konzert erschienen war, um sich im einen Kampf mit einem Labyrinth an Absperrungen einen halbwegs guten Sichtplatz zu erwandern, wird auch die Endlosschleife der Werbespotts nicht vergessen, bei der unter anderem etwa 50-mal für den Pianisten Lang Lang geworben wurde. Als der junge Virtuose, der auch zur Eröffnung der Fußball-WM 2006 spielen wird, dann erschien, hatten sich die Philharmoniker musikalisch mit dem Dank an einige Signatarmächte Österreichs aufgewärmt; und Lang Lang zeigte bei Tschaikowskys 1. Klavierkonzert, dass die Kälte seinen Fingern nichts anhaben konnte. Bei den forsch exekutierten Fledermaus-Paraphrasen ließ er es zwar an der nötigen agogischen Nonchalance fehlen.

Dies tangierte jedoch wenig, wie auch die Tatsache die Laune der Künstler nicht trübte, dass die Tonanlage (wie gut sie auch war) die Philharmoniker klingen ließ, als wären sie aus der Schellackepoche herübergebeamt worden. Folgerichtig versprach der Dirigent euphorisiert, sein nächstes Neujahrskonzert in Schönbrunn zu absolvieren. Und empfand man den Scherz als Drohung, versuchte man dennoch zu lachen - einfach, um zu sehen, ob das windgekühlte Gesicht noch auf Bewegungsbefehle reagiere. (tos/DER STANDARD, Print-Ausgabe, 10.6.2005)