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Wien - Die Internationale Atom-Energiebehörde (IAEO) hat erwartungsgemäß den Ägypter Mohamed ElBaradei als ihren Chef wiedergewählt. Der Gouverneursrat habe einstimmig eine dritte Amtszeit des 62-Jährigen gebilligt, teilte IAEO-Sprecherin Melissa Fleming am Montag in Wien mit. Außenministerin Ursula Plassnik begrüßte die Wiederbestellung ElBaradeis.

Die USA hatten zunächst versucht, eine dritte Amtszeit des Ägypters zu verhindern, Ende der vergangenen Woche jedoch ihren Widerstand aufgegeben. Washington hatte für seinen Vorstoß keinen Rückhalt unter den 35 IAEO-Mitgliedstaaten gefunden. ElBaradei hatte vor allem im Streit um die Existenz von Massenvernichtungswaffen im Irak den Zorn der USA auf sich gezogen.

US-Ärger wegen Zweifel an irakische Massenvernichtungswaffen

ElBaradei, dessen Wahl noch von der IAEO-Generalversammlung bestätigt werden muss, steht der IAEO bereits seit acht Jahren vor. Die USA hatten geltend gemacht, dass dies genug sei und eine dritte Amtszeit abgelehnt.

Vor dem Irak-Krieg hatte ElBaradei den Unmut der US-Regierung auf sich gezogen, weil er die Geheimdienstinformationen über angebliche Massenvernichtungswaffen des früheren Machthabers Saddam Hussein in Zweifel gezogen hatte. Diese Waffen wurden nach dessen Sturz nie gefunden. ElBaradei konnte auf sein hohes Ansehen bei den europäischen Staaten und in vielen Entwicklungsländern zählen.

Experten gehen davon aus, dass ElBaradei den USA für ihre letztliche Unterstützung entgegenkommen muss. Dies deutet sich bereits an: So hat sich der IAEO-Chef inzwischen hinter ein US-Projekt gestellt, das die Einrichtung eines Spezialkomitees für die Ahndung von Verstößen gegen den Atomwaffensperrvertrag vorsieht. Zunächst hatte ElBaradei dieses Instrument abgelehnt.

Seit 1984 Mitarbeiter der IAEO

Der Karrierediplomat ElBaradei studierte Jura in Kairo und New York. Dort war er zunächst Hochschullehrer. 1964 begann er seine diplomatische Laufbahn bei den Vereinten Nationen in New York und Genf. Seit 1984 steht er im Dienste der IAEO, wo er vom Rechtsberater über den stellvertretenden Generaldirektor für Außenbeziehungen zum Chef aufstieg. Der Ägypter wird als agil, redselig und spontan beschrieben. Außerdem gilt er als entscheidungsfreudig, standhaft und überzeugungsstark und als unzugänglich für Versuche der Vereinnahmung.

Der IAEO-Gouverneursrat tagt eine Woche lang in Wien. Er wird sich unter anderem mit einem Bericht über das umstrittene iranische Atomprogramm beschäftigen. Derzeit versucht die Europäische Union, den Iran zu Garantien für einen Verzicht auf Atomwaffen zu bewegen. Die USA werfen Teheran vor, heimlich am Bau einer Atombombe zu arbeiten.

Es wird erwartet, dass sich die IAEO in der sensiblen Lage auf einen zurückhaltenden Bericht beschränkt. Außerdem wird sich die IAEO auch mit Kontrollen des saudiarabischen Atomprogramms befassen. Riad strebt derzeit an, die Inspektionen der IAEO in Saudiarabien einzuschränken. (APA/dpa)