Wien - Die jahrelang wegen geringerer Magen-Nebenwirkungen gepriesenen modernen Antirheumatika (selektive Cox-2-Inhibitoren) sind in Verruf gekommen. Eines der wichtigsten derartigen Medikamente, Rofecoxib ("Vioxx") musste wegen vermehrten Herz-Kreislauf-Zwischenfällen vom Markt genommen werden. Laut neuesten Analysen, die beim europäischen Rheumakongress (EULAR 2005) in Wien präsentiert werden, dürften aber auch die alten Antirheumatika solche Gefahren in sich bergen.

"Es gab in jüngster Zeit zunehmend Bedenken wegen schwerer Herz-Kreislauf-Komplikationen bei der Verwendung der selektiven Cox-2-Inhibitoren, speziell in hoher Dosierung", stellt der US-Experte Univ.-Prof. Dr. Gurkipal Singh (Palo Alto) in der Zusammenfassung seiner Arbeit fest. Vor allem das vermehrte Auftreten von Herzinfarkten bei Patienten, die mit den Schmerz- und Entzündungshemmern behandelt wurden, hat weltweit die Alarmklingeln läuten lassen.

Analysen

Die US-Experten analysierten deshalb bei fast 2,4 Millionen Menschen deren Konsum an Rheumamedikamenten und korrelierten ihn mit den aufgetretenen Herzinfarkten. Alle Probanden hatten rheumatische Beschwerden. Die Beobachtungszeit betrug zwischen Anfang 1999 und Ende Juni 2004 fünfeinhalb Jahre.

Untersucht wurde der mögliche Effekt der Benutzung von Celecoxib, Valdecoxib, Rofecxib und Meloxicam (moderne Cox-2-Inhibitoren) und von herkömmlichen Antirheumatika wie zum Beispiel Diclofenac, Ibuprofen etc. Wie das Team belegen konnte, bergen offenbar die meisten Antirheumatika eine Herz-Kreislauf-Gefahr in sich.

Vorsichtiger Einsatz

Während sich unter Celecoxib keine statistisch signifikante Erhöhung dieses Risikos ergab, erlitten Patienten, die Meloxicam einnahmen, um 37 Prozent häufiger Herzinfarkte. Das mittlerweile vom Markt genommene Rofecoxib bewirkte ein um 32 Prozent verstärktes Risiko. Valdecoxib schnitt ähnlich wie Celecoxib ab.

Bei Verwendung einer hohen Dosis von des herkömmlichen Rheumamittels Indomethacin erhöhte sich die Infarktgefahr um 71 Prozent, bei Einnahme von Sulindac um 41 Prozent. Diclofenac steigerte die Infarktgefahr offenbar um 37 Prozent. Somit sollten Antirheumatika - ob neue oder alte - nur vorsichtig eingesetzt werden. (APA)