Wien - Die Gelbe Post stellt sich im Zuge der anstehenden Liberalisierung auf Marktanteilsverluste ein, will das Feld aber nicht kampflos den Konkurrenten überlassen. Zwar sei man bereit, gewisse Teile der Logistik, etwa Verteilzentren, Mitbewerbern zugänglich zu machen. Man wolle solche Verträge aber "frei verhandeln", sagte Post-Chef Anton Wais am Donnerstag.

Spezielle Regelungen von Seiten des Staates findet Wais ebenso verzichtbar wie den Posten eines Post-Regulators: "Wir sollten das nach den Gesetzen des Marktes regeln."

Bei der Vorstallung einer von der Post in Auftrag gegebenen Studie der Wirtschaftsuniversität Wien (WU) wies Wais darauf hin, dass von den 1,6 Mrd. Euro Gesamtgeschäft der Post nur noch knapp ein Drittel aus dem "geschützten Bereich" stammen. Ab 2009 werde es keinen Monopolbereich der Post mehr geben. Deshalb sei es notwendig, im anstehenden Postmarktgesetz, das derzeit in Begutachtung ist und im Herbst im Ministerrat beschlossen werden soll, entsprechende Vorkehrungen zu treffen.

"Mitbewerber sollten auch Dienstleistungen für die Allgemeinheit leisten müssen", verlangte Wais. Unterstützt wurde der Post-Chef von WU-Professor Ewald Nowotny, Co-Autor der Studie über die Alternativen der gesetzlichen Ausgestaltung dieses Dienstleistungsmarktes. Für die Universaldienste schlägt der ehemalige Vizepräsident der Europäischen Investitionsbank und SP-Spitzenpolitiker die Einführung eines Konzessionsmodells vor.

Nach Ansicht der Studienautoren sollten rentable und weniger rentable Regionen in einer Konzession zusammengefasst werden. Damit könnte man "Rosinenpicken" verhindern. (stro, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 10.6.2005)