Berlin - In Deutschland werden mehr als die Hälfte aller von der Polizei erfassten Straftaten aufgeklärt, bei Mord und Totschlag sind es sogar 96,1 Prozent. Innenminister Otto Schily (SPD) sagte am Donnerstag, Deutschland sei "eines der sichersten Länder in der Welt".

Insgesamt blieb die Zahl der Straftaten weitgehend konstant, mit der steigenden Aufklärungsquote habe sich die Entwicklung der vergangenen Jahre fortgesetzt, betonte Schily bei der Vorlage der Kriminalstatistik 2004. Er unterstrich aber zugleich: "Wir dürfen uns nicht auf dem ausruhen, was wir mittlerweile erreicht haben."

Kinder "braver" als im Jahr 2003

Laut Statistik wurden in Deutschland 2,4 Millionen Personen angezeigt, weniger als ein Viertel von ihnen waren Ausländer. Während die Jugendkriminalität anstieg, waren die Kinder in Deutschland "braver" als im Vergleichszeitraum 2003.

Gestohlen wurde in Deutschland 2004 insgesamt weniger, angezeigt wurden drei Millionen Verdächtige. Auch Autos wechselten seltener widerrechtlich den Besitzer: Seit 1993 ist die Zahl der Autodiebstähle sogar um 70 Prozent gesunken - im Vorjahr wurden in Deutschland keine 200 Autos am Tag geknackt.

Fälle von Mord und Totschlag sanken

Weniger als zehn Menschen pro Tag starben 2004 in Deutschland eines unnatürlichen Todes: Die Fälle von Mord und Totschlag und deren Versuch sanken auf 2480, zwei von drei Opfern überlebten. Dafür dürfte heftiger gerauft und geschlägert worden sein: Rund 140.000 Mal musste die deutsche Exekutive in Fällen von schwerer und gefährlicher Körperverletzung einschreiten.

Drastisch gestiegen sind die Anzeigen bei Kinderpornografie: Dank verstärkter Ermittlungen erwischte die Polizei mehr Straftäter beim Besitz (plus 68 Prozent) und bei der Verbreitung (plus 30 Prozent) von einschlägigem Material.

Computer und Internet bei Betrügern beliebt

Betrüger waren 2004 in Deutschland häufig (eine Million Anzeigen), wachsender Beliebtheit für den Betrug erfreuten sich Computer und Internet. Auch die Zahl der Betrugsfälle mit Kreditkarten stieg weiter an.

In Österreich wurden laut Kriminalstatistik 2004 mehr als 640.000 Straftaten angezeigt, ein gutes Drittel davon in Wien. Die Aufklärungsquote war im Vergleich zu Deutschland mager: Sie lag bei 38,1 Prozent, am niedrigsten war sie in der Bundeshauptstadt, am höchsten in Vorarlberg. Im Vergleich zu 2003 explodierte die Zahl der Anzeigen bei Geldfälschung (plus 190 Prozent). (dpa, cdw, DER STANDARD - Printausgabe, 10. Juni 2005)