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Serbien-Montenegros Minister für Menschenrechte, Rasim Ljajic´, bei einem Treffen mit Angehörigen von Srebrenica-Opfern am Samstag, dem 10. Jahrestag des Massakers, in Belgrad.

Foto: APA/EPA/Djordje Kojadinovic
Nach dem Video von der Ermordung bosnischer Zivilisten bei Srebenica schockieren Aufnahmen von einem jüngst entdeckten Massengrab mit vielen Kindern die serbische Öffentlichkeit. Einige Medien antworten mit Bildern, die Gräueltaten muslimischer Kämpfer zeigen.

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Noch hatte sich in Serbien die Aufregung nach den veröffentlichten Videoaufnahmen der kaltblütigen Ermordung von sechs muslimischen Zivilisten vor zehn Jahren bei Srebrenica nicht gelegt, da zeigte der Belgrader TV-Sender B 92 am Wochenende noch entsetzlichere Bilder: In dem jüngst entdeckten Massengrab Suha bei dem Ort Bratunac in Bosnien lagen 38 Leichen, alte Männer, Frauen und neun Kinder im Alter von neun Monaten bis zu einigen Jahren. Einige Mütter hielten ihre Kinder in den Händen, einige Kinder hielten einander umarmt. Ein Pathologe zeigte den Fötus einer Frau im neunten Schwangerschaftsmonat.

Das Besondere dieses Massengrabes sei, dass in ihm so viele Kinder und Babys begraben wurden, sagte der Pathologe Zdenko Cirhlaz. Spezifisch sei auch, dass die Leichen und das gesamte Beweismaterial dreizehn Jahre nach dem "monströsen" Verbrechen außergewöhnlich gut erhalten seien, weil sie im Lehm lagen. Alle Opfer wurden mit Militärwaffen erschossen. Man könne davon ausgehen, dass die Frauen und Kinder aus ihren Häusern gezerrt und getötet worden seien. Die Staatsanwaltschaft in Tuzla sprach von einem "schweren Verbrechen gegen die zivile Bevölkerung", wollte sich jedoch vorerst über die Identität der Opfer und Täter nicht äußern.

Offenbar um ein "Gleichgewicht des Schreckens" herzustellen, zeigten einige serbische Medien Bilder, wie muslimische Mudjahedin während des Bosnienkrieges vor laufender Kamera einem Serben den Kopf absägen. Eine weit verbreitete Meinung in Serbien ist, dass das UN-Kriegsverbrechertribunal in Den Haag "tendenziös" Beweismaterial über Verbrechen an Serben zurückhalte. Man sollte sich der gemeinsamen, europäischen Zukunft zuwenden und die Vergangenheit hinter sich lassen, pflegen regierende serbische Politiker zu sagen.

Unterdessen wird die Jagd auf den vom UN-Tribunal gesuchten bosnisch-serbischen General Ratko Mladic fortgesetzt. Serbische Medien behaupten hartnäckig, mit Mladic werde über dessen freiwillige Aufgabe verhandelt. Die Belgrader Regierung dementierte energisch diese für den Staat "schädliche Medienkampagne". (DER STANDARD, Print-Ausgabe, 13.06.2005)