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Mike Tyson auf der Matte.

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Kevin McBride hatte natürlich auch einiges einstecken müssen.

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Großer Auftritt von Laila Ali vor den Augen ihres Vaters.

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Washington - "Das war's wohl. Ich will den Boxsport nicht weiter diskreditieren und gegen Boxer solchen Kalibers verlieren", sagte er nach seinem technischen K. o. Der irische Schwergewichtsmeister Kevin McBride, auch nicht gerade ein Erneuerer seiner Branche, hatte ihn niedergeschlagen. Rundherum im Saal wuchsen die Erbitterung und Aggression, die stets mit der Hilflosigkeit eines einstigen Menschenschinders einhergehen. Er schleppte sich auf seinen Ecksessel und gab vor der siebten Runde auf. 15.472 Fans buhten und bewarfen ihn mit Müll, als er aus dem Ring und aus dem MCI-Center in Washington flüchtete.

Gerüchten zufolge soll Tyson (38) 300 Millionen Dollar in seiner beinahe 20 Jahre dauernden Karriere (50 Siege, sechs Niederlagen, 44 Knockouts) verdient haben. Was die angesichts seines Lebenswandels (Promotor Don King, diverse Frauen und Autos) überraschend niedrigen Schulden von angeblich bloß rund 40 Millionen Dollar erklärt.

Im Vorprogramm boxte Laila, die Tochter von Muhammed Ali, sie siegte gegen eine gewisse Erin Toughill, Papa Ali nutzte die Gelegenheit, Mike Tyson über die Schulter zu spucken. Nicht einmal die Wünsche des "Größten" nützten, Tyson bewegte sich wie ein alter Mann, der um einen Kopf größere und mehr als 15 Kilogramm schwerere Ire McBride (32 Jahre, 33 Siege, vier Niederlagen, ein Remis) klammerte und ließ keinen Kampf zu, den freilich Tyson (Börse: fünf Millionen Dollar) bis auf einige Sekunden in der vierten Runde ohnehin nicht mehr führen konnte.

Er brachte einige Körpertreffer an und ein paar Uppercuts, doch bald wurde er kurzatmig, McBride begann zu punkten. Einmal in der sechsten Runde schien es, als wolle er McBride aus Verzweiflung den Arm brechen, später versuchte er einen Kopfstoß.

"Ich habe mich gefühlt wie 120", sagte er später. McBride (Börse: 150.000 Dollar) reklamierte den Sieg als Triumph Irlands: "Ich habe meine beste Zeit noch vor mir. Irland hat lange genug auf einen Champion gewartet." Tyson sei einmal sein Idol gewesen, meinte er. "Er ist immer noch ein harter Gegner, ich habe ihn zum richtigen Zeitpunkt erwischt."

Eine Art Monster Tyson betrat die Bühne des Boxens als eine Art Monster, nach einer Kindheit in sozial extrem schwierigen Umständen stellte der Sport eine Art Resozialisation und sein Image einen Wettbewerbsvorteil dar. Irgendwie schaffte er es nie, sich wirklich umfassend zu sanieren, 1997 biss er Evander Holyfield einen Teil des Ohres ab. Gegen den Promotor Don King, dem er vorwirft, ihn schwer betrogen zu haben, brachte er eine 100 Millionen-Dollar-Klage ein. Schlägereien ziehen sich als Leitmotiv durch sein Leben, seine Ex-Ehefrau, die Schauspielerin Robin Givens, nannte ihn in einem US-weit ausgestrahlten Interview einen Manisch-Depressiven, der ihr Angst mache. Tyson wurde wegen Vergewaltigung einer 18-Jährigen zu zehn Jahren Haft verurteilt, vier Jahre davon ersparte er sich.

Er hat wegen seiner Schulden einen Art gerichtlichen Privatkonkurs eingereicht. "Jetzt muss ich über mein Leben und meine nächsten Schritte nachdenken", sagte er. Seine Gläubiger wohl ebenfalls. Er war 20 Jahre alt, als er den WBC-Weltmeistertitel gewann, der Kampf gegen Trevor Berbick dauerte zwei Runden. Es war ein Jahr nach seinem Debüt als Profiboxer. Er ist endgültig in der langsamen Phase seines Lebens angekommen. (josko - DER STANDARD PRINTAUSGABE 13.6. 2005)