Wien - In der Werbung werden immer mehr Lebensmittel als gesundheitsfördernd angepriesen. So genanntes Functional Food - also Lebensmittel mit Zusatznutzen - soll über den Nährwert hinaus noch zusätzliche gesundheitlich-relevante Wirkungen haben. Wichtig sei dabei vor allem die seriöse und wissenschaftlich fundierte Auseinandersetzung mit dieser Thematik, erklärten Experten heute, Donnerstag, bei einem Pressegespräch in Wien.

Die Bewerbung der gesundheitsfördernden Wirkungen von so genannten funktionellen Lebensmitteln entbehre zumeist jeglicher wissenschaftlichen Grundlage, ist Udo Pollmer, wissenschaftlicher Leiter des Europäischen Institutes für Lebensmittel- und Ernährungswissenschaften, überzeugt. Vor allem die zugesetzten Mengen würden oft kein ernährungswissenschaftliches Konzept erkennen lassen.

Das Potenzial am Functional Food Markt

Potenzial am Functional Food Markt sieht hingegen Wolfgang Kneifel, Institutsleiter der Abteilung für Lebensmittelmikrobiologie und -hygiene an der Universität für Bodenkultur. Die Beimengung bestimmter Wirkstoffe, wie etwa Gymnemasäure aus der tropischen Pflanze Gymnema Sylvestre, die zu einer Steigerung der Insulinproduktion führen soll, könnte für Diabetiker Typ 2 interessant sein, so Kneifel bei der vom Verpackungshersteller Tetra Pak initiierten Gesprächsrunde.

Wichtigstes Kriterium bleibt der Geschmack

Wichtigstes Kriterium für die Kunden sei allerdings nach wie vor der Geschmack, erklärte Markenmanagement-Berater Peter Wennström. An zweiter Stelle der Konsumentenprioritäten stehe der Aspekt der positiven Ernährung - Zucker, Sodium oder andere negative Bestandteile sollten nur in geringen Mengen oder gar nicht enthalten sein. "'Look good to feel good' ist ein weiterer Schlüsselfaktor für Konsumenten. Zwei von drei Einkäufern sind der Ansicht, dass gesundes Essen das äußere Erscheinungsbild verbessert", so Wennström.

Eine rechtliche Harmonisierung innerhalb der Europäischen Union forderte Andreas Kadi, Director Scientific & Regulatory Affairs der Coca-Cola GmbH. Bis zum EU-Beitritt habe Österreich in Bezug auf funktionelle Lebensmittel in einem rechtlich relativ liberalen Bereich agieren können. Heute werde das Lebensmittelrecht von Brüssel aus bestimmt, bei nicht geregelten Aspekten werde den Ländern aber noch immer ein rechtsautonomer Raum gewährt. In Großbritannien setze man auf Selbstregulation und in Österreich herrsche bisher eine eher liberale Politik in Bezug auf Functional Food.

EU fordert Einführung von Nährwertprofilen

Die EU fordere nun die Einführung von Nährwertprofilen, die als Bewertungskriterien für Werbeaussagen herangezogen würden. "Dieser intransparenten Vorgehensweise fehlt vor allem die wissenschaftliche Basis. Laut diesen Bestimmungen dürfte zum Beispiel die wohltuende oder entspannende Wirkung von Teegetränken nicht mehr kommuniziert werden, obwohl diese seit Jahren wissenschaftlich bewiesen ist", so Kadi. (APA)