Die kostspielige Faxwahl von sechs der 35 Publikumsräte bleibt dem Stiftungsrat des ORF am Mittwoch, erspart. Vorerst: Dessen Finanzausschuss vertagte das Thema Montagabend nach langen Debatten.

Bis zu sieben Millionen Euro kann die Wahl kosten, zitiert der Grüne Stiftungsrat Pius Strobl gern Berechnungen für den schlimmsten Fall, ein Vielfaches der Kosten von Nationalratswahlen.

Die Summe fiele freilich nur an, wenn der ORF die Wahlformulare den Gebührenzahlern zuschicken muss statt sie wie 2001 in Trafiken, Postämtern aufzulegen. Und wenn alle gebührenfrei zurückfaxen. 2001 tat das nur ein Bruchteil der Gebührenzahler.

Sie bestimmen so per Fax sechs der 35 Publikumsräte, von denen drei in den Stiftungsrat entsandt werden. Es geht also der ÖVP um die absolute Mehrheit im Stiftungsrat für die Wahl des nächsten ORF-Generals. Der Opposition darum, sie zu verhindern.

Raiffeisen, Ungarn auf der Tagesordnung

Der Stiftungsrat tagt planmäßig erst wieder im Oktober. Knapp wird es mit der Wahl des Publikumsrats dennoch nicht: Die Stiftungsräte sollen ohnehin im Juli für eine Sondersitzung auf den Küniglberg, sagen Mitglieder des Gremiums dem STANDARD.

Nicht etwa wegen der durchgeschalteten Kanzlerrede direkt nach der "ZiB 1": Im Sommer sollen die Räte die Bewerbung der ORF-Sendertochter um die erste Schaltstelle für Digital-TV absegnen - und neue Beteiligungen an dieser ORS von 40 Prozent. Raiffeisen gilt als Fixstarter, ATV-Eignerin Bawag sehen bürgerliche Stiftungsräte "derzeit nicht so aktuell".

Nicht zuletzt muss das oberste ORF-Gremium zustimmen, dass der ORF in der entscheidenden Runde gegen fünf Konkurrenten um die Mehrheit am ungarischen TV-Sendernetz mitbietet. Da geht es um immerhin rund 160 Millionen Euro. Ein Gutteil könnte von den künftigen Gesellschaftern der Sendertochter ORS kommen.

Bis zur Sondersitzung soll der ORF Kosten und offene Fragen - konkret: Wahl per Internet - der Publikumsratswahl noch einmal prüfen. (fid/DER STANDARD; Printausgabe, 14.6.2005)