Lambach - Im Fall der Lambacher Ehrenbürgerin Margarete Pausinger hat jetzt das Oberösterreichische Landesarchiv die Prüfung der Akten abgeschlossen und eine Denunzierung zumindest in einem Fall nachgewiesen. Die lokale, 1956 verstorbene Malergröße Pausinger, 1953 zur Ehrenbürgerin ernannt und mit "eigener" Straße, soll Dezember 1939 den Regimekritiker Franz Wingen denunziert haben. Wingen starb 1944 in KZ-Haft an von SS-Ärzten injizierten Typhusbakterien.

Zweite Anzeige

Offene Fragen bleiben aber trotz Prüfung der Landesexperten: "Laut der vorhandenen Unterlagen wurde Franz Wingen insgesamt zweimal angezeigt. Für die erste Anzeige bei der Gendarmerie ist eindeutig Margarete Pausinger verantwortlich. Wingen musste danach eine längere Haftstrafe verbüßen", erläutert der Leiter des Oberösterreichischen Landesarchivs, Gerhart Marckhgott. In die letztlich für ihn tödliche KZ-Haft sei Wingen aber erst nach einer zweiten Anzeige gekommen. "Ob für diese zweite Denunzierung ebenfalls Pausinger verantwortlich war, lässt sich nicht mehr belegen", erklärt Marckhgott.

Der Lambacher Bürgermeister Friedrich Ilk (ÖVP) kennt das Landesarchiv-Gutachten, hüllt sich aber in Schweigen: "Der Gemeinderat wird am 30. Juni darüber zu entscheiden haben." Zu Wort gemeldet hat sich jetzt aber die in Argentinien lebende Tochter des NS-Opfers Franz Wingen: In einem dem STANDARD vorliegenden Schreiben bittet Eva Caro Bürgermeister Ilk gegen die Ehrenbürgerschaft vorzugehen. "Die Gesetze der Nazizeit waren unmoralisch und unmenschlich, und jene die sie durchführten, waren es ebenso. Herr Bürgermeister, wollen Sie wirklich jene ehren und als Beispiel der Nachahmung hinstellen, die damit einverstanden waren?" (DER STANDARD, Printausgabe, 14.06.2005)