Die Ermordung des ukrainischen Journalisten Georgi Gongadse steht offenbar vor der Aufklärung. Generalstaatsanwalt Swjatoslav Piskun teilte am Montag nach ukrainischen Medienberichten in Kiew mit, dass Milizionäre einvernommen worden seien, die die Beteiligung an der Tat gestanden hätten. Nach dem mutmaßlichen Mörder Gongadses, einem Milizoffizier namens Platschkun, werde gefahndet.

Der Milizoffizier soll den Journalisten eigenhändig mit einem Gürtel im Auto erdrosselt haben, schreibt die russische Zeitung Gazeta.Ru. Der Generalstaatsanwalt ist davon überzeugt, dass es einen konkreten Mordbefehl gegeben hat. Der damalige Innenminister Jurij Krawtschenko soll als Zeuge befragt werden.

Drei Punkte

Piskun will den Mordfall im Juli an die Gerichte weitergeben. Zuvor müssten nach seinen Worten noch drei Punkte geklärt werden: Die Suche nach Platschkun, eine Untersuchung des Leichnams von Gongadse, was dessen Mutter verlangt, sowie die Analyse der Kassetten eines Ex-Leibwächters von Präsident Leonid Kutschma, General Nikolaj Melnitschenko. Piskun hat auch vor, mit Melnitschenko persönlich zu sprechen. Dazu wird er in den nächsten Monaten in die USA reisen.

Georgi Gongadse, Chefredakteur der Online-Zeitung "Ukrainska Prawda", war am 16. September 2000 entführt und später enthauptet aufgefunden worden. Der Mord löste Massenproteste gegen die damalige Führung unter Kutschma aus. (APA)