Heidelberg - Durchbruch im Kampf gegen die Leberentzündung durch Hepatitis C: Einem internationalen Forscherteam ist es erstmals gelungen, mit Hilfe eines neuen Zellsystems Hepatitis-C-Viren (HCV) im Labor zu vermehren. Damit schufen die Wissenschafter aus Deutschland, Japan und den USA die Voraussetzung für die Entwicklung von Impfstoffen und neuen Medikamenten gegen den Erreger, wie die Universität Heidelberg am Dienstag mitteilte.

"Dies ist ein Meilenstein in der Erforschung von Hepatitis C und im Kampf gegen die stille Seuche", erklärte der Direktor der Abteilung Molekulare Virologie am Heidelberger Uniklinikum, Ralf Bartenschlager. Gemeinsam mit Kollegen aus Tokio und Bethesda in den USA entwickelte er ein System, in dem der Lebenszyklus der Viren - vom Eindringen in eine Zelle über die Vermehrung bis zum Verlassen der infizierten Zelle - im Labor vollzogen werden kann. Dadurch lassen sich die Erreger nun erstmals komplett außerhalb des menschlichen Körpers anzüchten.

Bislang sei es nur möglich gewesen, Teile der Erbsubstanz des Virus zu vermehren, nicht jedoch das komplette Virus, betonte Bartenschlager. Zugleich konnten die Forscher nach Angaben des Experten zeigen, dass Antikörper gegen ein bestimmtes Oberflächenprotein sowie Antikörper aus dem Blut infizierter Patienten die Vermehrung des Virus zumindest teilweise hemmen.

Die Mediziner sprachen von "bahnbrechenden Forschungsarbeiten". Erste Erfolgsmeldungen hatten sie bereits im Oktober vergangenen Jahres publiziert, jetzt wurden die Ergebnisse auch in der Online-Ausgabe des renommierten Wissenschaftsmagazins "Nature Medicine" veröffentlicht.

In Europa ein bis zwei Prozent der Bevölkerung infiziert

In Westeuropa sind rund ein bis zwei Prozent der Bevölkerung chronisch mit dem Virus infiziert, weltweit sind etwa 170 Millionen Menschen betroffen. Bei 75 Prozent der Infizierten entwickelt sich ein chronisches Leberleiden.

Meist wird das Virus über das Blut übertragen. Es verweilt oft Jahrzehnte lang im Körper, bevor sich Leberentzündungen, eine Leberzirrhose oder ein meist tödlich verlaufender Leberzellkrebs entwickeln können. Eine Impfung wie beim Hepatitis-A- und -B-Virus gibt es nicht. Die Experten rechnen für die nächsten 10 bis 20 Jahre mit einem weiteren Anstieg der Zahl von Patienten mit den Spätfolgen der chronischen Hepatitis C, falls keine neuen Therapiemöglichkeiten entwickelt werden. (AP)