Der Lenker jenes Busses, der am 5. März 2005 in Wien-Floridsdorf in eine Straßenbahn-Garnitur der Linie 26 gekracht war, wird wegen fahrlässiger Gemeingefährdung mit Todesfolge vor Gericht gestellt. Der Strafantrag der Staatsanwaltschaft Wien liegt bereits vor. Bei dem schrecklichen Unfall waren zwei Businsassen - ein vierjähriger Bub und ein 16 Jahre alter Jugendlicher - ums Leben gekommen. Dem vorbestraften Lenker drohen im Fall eines Schuldspruches bis zu drei Jahre Haft.

Der Unfall zwischen dem Shuttle-Bus, der zwischen dem Shopping Center Nord (SCN) und dem S-Bahnhof Floridsdorf verkehrt, ereignete sich nach einem langen Einkaufsamstag knapp vor 19 Uhr. Laut Strafantrag missachtete der seit vier Jahren bei einem privaten Busunternehmen beschäftigte Lenker beim Einbiegen in die Kreuzung Rechte Nordbahngasse - Schlosshoferstraße das Vorrangzeichen der Straßenbahn. Er soll außerdem darauf "vergessen" haben, nach links zu schauen.

Vollbremsung

Ansonsten hätte er laut Anklagebehörde die von dort herannahende Tram bemerkt. So aber bog der Mann im Schritttempo ab. Als er auf den 26er aufmerksam wurde, befand er sich schon auf dem Gleiskörper. Er gab noch Gas und wollte so den Zusammenstoß vermeiden. Der Straßenbahnfahrer leitete eine Vollbremsung ein, konnte den Crash aber nicht mehr verhindern.

"Die Tram hat den Bus regelrecht aufgespießt", heißt es bei der Staatsanwaltschaft. Sie riss in der Mitte des fast voll besetzten, zwölf Tonnen schweren Fahrzeuge ein riesiges Loch. Neben den beiden Toten - der Bub wurde aus dem Bus geschleudert, der 16-Jährige von Metallteilen erschlagen - waren zwei Schwer- sowie rund ein Dutzend leichter Verletzte zu beklagen.

Die Richterin, die den Fall verhandeln wird, hat sich zur Beiziehung eines Verkehrssachverständigen entschlossen. Der Prozess wird daher frühestens im August stattfinden. Der Gutachter soll klären, mit welcher Geschwindigkeit der Bus unterwegs war. Auch die Tachoscheibe soll zu diesem Zweck noch untersucht werden. (APA)