In den deutschen Medien erscheinen Betrachtungen darüber, ob nicht die rot-grüne Koalition von Anfang an zum Scheitern verurteilt war, weil sie nicht aufs Regieren vorbereitet war und auch nicht genügend Schwungmasse für die Probleme Deutschlands mitbrachte (Schröder wünschte ja ursprünglich eine große Koalition mit der CDU). Das bleibt auch bei Österreichs Grünen nicht unbemerkt – Rot-Grün hat nicht gerade Konjunktur. Wenn Alexander Van der Bellen daher seinem Hang zu ehrlichen Interview-Antworten nachgibt und die Hürden für eine Koalition mit der ÖVP (Eurofighter, Studiengebühren) zumindest relativiert, dann ist das wohl auch ein Ausdruck dieser Stimmungslage. Außerdem weiß jedermann, dass der mächtige warlord der SPÖ, Michael Häupl, eine SPÖ-ÖVP-Koalition, notfalls sogar eine ÖVP-SPÖ-Variante, vorzieht. Da heißt es, rechtzeitig die eigenen Chancen zu wahren. Umgekehrt sollten sich aber auch die Vertreter einer Rot-Grün-Variante sowohl bei Rot wie auch bei Grün Gedanken machen, wie man der eindeutigen Abwertung dieser Möglichkeit durch die deutsche Entwicklung argumentativ begegnet. Denn Rot-Grün könnte gute Argumente dringend gebrauchen. (DER STANDARD, Printausgabe, 16.6.2005)