Die serbischen Abgeordneten konnten sich über eine Resolution, die alle Kriegsverbrechen im ehemaligen Jugoslawien verurteilt, nicht einigen.

Die "Demokratischen Partei" (DS) und die "Serbische Erneuerungsbewegung" (SPO) hatten gefordert, das Massaker in Srebrenica als eine besonders grauenhafte Schandtat hervorzuheben, die "nie vergessen werden darf". Vor einem Jahrzehnt richteten bosnisch-serbische Streitkräfte rund 7800 bosnische Muslime in Srebrenica hin. Milosevic-Sozialisten (SPS), die die Minderheitsregierung unterstützen, und die nationalistische "Serbische Radikale Partei" (SRS), setzten sich für eine "allgemeine" Verurteilung "aller" Verbrechen ein. Die Chefs beider Parteien sind wegen Verbrechen gegen die Menschlichkeit angeklagt und befinden sich im Gefängnis des UNO- Tribunals.

Doch auch die regierende "Demokratische Partei Serbiens" (DSS) von Premier Vojislav Kostunica, lehnte es ab, Srebrenica gesondert von anderen Verbrechen zu unterstreichen. Warum sollte man das eigene Volk mehr als andere Völker verurteilen, lautete die Erklärung.

"Das war zu erwarten" sagte der Parlamentarier Zarko Korac zum STANDARD. Im serbischen Parlament seien Menschen aktiv, die unmittelbar verantwortlich seien für die Politik, die zum Massaker in Srebrenica geführt hätte. Der Prozess der Vergangenheitsbewältigung falle so schwer, weil Milosevics Kriegspolitik jahrelang plebiszitäre Unterstützung genossen hätte. (DER STANDARD, Printausgabe, 16.6.2005)