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Premier Sakskoburggotski auf einem Wahlplakat

Foto: AP/Deinov
Wien/Sofia - Die letzten vier Jahre unter Ministerpräsident Simeon Sakskoburggotski waren für die bulgarische Bevölkerung schlicht eine Enttäuschung. Zu groß waren die Versprechen des "Zaren" - wie der Ex-König genannt wird - als er 2001 mit 42,74 Prozent einen Erdrutschsieg feierte und nur um einen einzigen Sitz die absolute Mehrheit verfehlte. Nun sind die Sozialisten seit 1997 erstmals wieder auf dem Vormarsch. Sie haben es geschafft, aus dem Groll der Bevölkerung Kapital zu schlagen, ihre gesamte Wählerschaft zu mobilisieren und liegen in den Umfragen mit bis zu 40 Prozent klar in Führung.

Den "Fall des Königs" markierte die führende Tageszeitung "24 Chasa", die Sakskoburggotskis Wahlversprechen, in 800 Tagen für wirtschaftlichen Aufschwung zu sorgen, wörtlich nahm und auf ihrem Titelblatt die Tage zu zählen begann. Doch das erhoffte "Königliche Wunder" ist ausgeblieben und so sank die Popularität des Ex-Königs aus dem Haus Sachsen-Coburg-Gotha rapide.

Vertrauen gesunken

Hatten im August 2001 noch 50 Prozent der Bevölkerung Vertrauen in die neue Führung, so waren es im Dezember desselben Jahres nur noch 22 Prozent. Umgekehrt kamen die Sozialisten damals nur auf zehn Prozent. Heute werden sie in erster Linie von den Älteren sowie von den Jungen sowie den Arbeitslosen und Armen unterstützt, und davon gibt es in Bulgarien viele.

Die Inflation beträgt vier Prozent, die Arbeitslosenrate liegt bei zwölf Prozent. Der Durchschnittslohn beträgt umgerechnet 150 Euro und die Durchschnittspension 75 Euro. 1,1 Millionen der 7,8 Millionen Bulgaren leben einer Studie der Weltbank zufolge in Armut, 45 Prozent leben unter der Armutsgrenze. Der angestrebte EU-Beitritt gibt zwar Hoffnung, gleichzeitig wächst aber die Unsicherheit, sich in der Union nicht behaupten zu können. Viele Menschen haben Angst, dass das Leben nach einem Beitritt zur EU noch teurer werden würde. Hinzu kommen Probleme, wie hohe Kriminalität und Korruption.

Antworten

Auf all diese Probleme haben die Parteien im Wahlkampf versucht, Antworten zu geben. Die Erwartungen der Bevölkerung sind diesmal zwar nicht mehr so hoch wie vor vier Jahren, dafür waren die Versprechen umso größer. Insgesamt zielen alle Parteien auf die wunden Punkte im Land ab und versprechen entsprechende Verbesserungen. Die Wahlzuckerln aller Fraktionen sind Wirtschaftswachstum, Anhebung der Löhne, Senkung der Steuern sowie Verbesserung des maroden Gesundheitssystems. Die Türkenpartei DSP nimmt sich außerdem der Integration der Minderheiten an. Die Rechtsnationalen setzten hingegen auf den Kampf gegen den "Ausverkauf des Landes".

Die Sozialisten versprechen konkret 240.000 neue Arbeitsplätze, die Senkung der Arbeitslosenrate auf unter zehn Prozent sowie Investitionen in Bildung und Gesundheit. Der Durchschnittslohn soll 600 Lewa (307 Euro) erreichen. Simeons Bewegung NDSW bietet dagegen einen Durchschnittslohn in Höhe von 500 Lewa. Sie plant außerdem die Einführung eines einheitlichen Steuersatzes ("Flat tax") bei der Einkommenssteuer. Den Pensionisten versprechen sie die Errichtung eines Fonds zur Sicherung der Renten. (APA)