Wien - Im Folgenden ein kurzer Überblick über die bisherigen Regierungen seit dem politischen Umbruch im Jahr 1990: Febr.-Nov. 1990: Erste postkommunistische Regierung unter Lukanow Zum ersten postkommunistischen Premier wurde Andrej Lukanow im Februar 1990 vom Parlament gewählt. Nach dem Sieg der aus der KP hervorgegangenen Bulgarischen Sozialistischen Partei (BSP) bei den ersten freien Wahlen im Juni wurde Lukanow im Amt bestätigt. Der reformorientierte Politiker bemühte sich, die Opposition, v.a. die Union der Demokratischen Kräfte (SDS), an der Regierung zu beteiligen. Doch diese winkte stets ab und setzte auf eine baldige Machtablöse. Ein Signal war wohl auch die Wahl des SDS-Chefs Schelju Schelew zum Staatspräsidenten. Die wirtschaftliche Krise setzte der Regierung zu. Ende November trat die sozialistische Regierung unter dem Druck einer landesweiten Protestwelle zurück.

Dez. 1990 - Okt. 1991: Übergangsregierung unter Popow

Dieser Übergangsregierung von Dimitar Popow gehörten Sozialisten, Mitglieder der SDS, der Bauernpartei sowie Unabhängige an. In der Opposition begann es allerdings zu rumoren. Innerhalb des Bündnisses kam es zu ersten Krisen und Spaltungen, die sie für Jahre beschäftigen sollte. In dieser Phase der Umgruppierung v.a. des Oppositionsbündnisses und erster Abspaltungen aber auch der beginnenden Polarisierung der bulgarischen Politik wurde am 12. Juli 1991 die Verfassung verabschiedet.

Nov. 1991 - Dez. 1992: Antikommunistische Regierung unter Dimitrow

Bei den zweiten freien Wahlen Ende 1991 siegte die SDS knapp vor der BSP. Premier wird der SDS-Vorsitzende Filip Dimitrow. Unterstützt wurde die SDS von der Partei der türkischen Minderheit, der Bewegung für Rechte und Freiheiten (DPS). Als Hauptziel nannte Dimitrow die Stabilisierung der Wirtschaft. Die neue Regierung war aber geprägt von persönlichen Machtkämpfen innerhalb des Lagers der Opposition. Schließlich wurde die Regierung durch ein Mißtrauensvotum gestürzt. Entscheidend für das Abstimmungsergebnis war die Haltung der DPS.

Dez. 1992 - Sept. 1994: Übergangsregierung unter Berow

Ende Dezember 1992 wurde Ljuben Berow, Ex-Berater von Schelew und unabhängiger Wirtschaftsprofessor, zum Premier gewählt. Diese Regierung war die Folge der mehrmonatigen parlamentarischen Krise und war für einen begrenzten Zeitraum vorgesehen. Letztlich regierte die formell parteilose "Expertenregierung" unter Berow fast zwei Jahre. Sie stützte sich auf wechselnde Mehrheiten aus BSP, DPS und einigen abgespaltenen SDS-Abgeordneten. Nachdem die Berow-Regierung sechs Mißtrauensanträge im Parlament überstand, trat sie Anfang September 1994 zurück, um den Weg für vorzeitige Neuwahlen frei zu machen. Jänner 1995 - Febr. 1997: Sozialistische Regierung unter Widenow

Bei den Wahlen im Dezember 1994 errang das Wahlbündnis Demokratische Linke unter der Führung der BSP die absolute Mehrheit. In die Amtszeit von Jean (Schan) Widenow fiel 1995 der EU-Beitrittsantrag. Doch auch dieser Regierung gelang es nicht, das Land auf wirtschaftlich gesunde Beine zu stellen - im Gegenteil: Bulgarien schlitterte in die größte Krise seit Jahrzehnten. Nach dem "Krisenwinter" 1996/97 und dem "Bankencrash" belief sich die Inflation auf bis zu 1.000 Prozent. Die Regierung trat angesichts der wirtschaftlichen Krise und der Protestbewegungen der Bevölkerung im Dezember 1996 zurück. Febr. 1997 - April 1997: Übergangsregierung unter Sofijanski

Am 4. Februar gaben die Sozialisten ihr Mandat zur Bildung einer neuer Regierung an Präsident Petar Stojanow zurück. Mit dem Bürgermeister Sofias, Stefan Sofijanski, als Premier regierte eine Übergangsregierung bis zu den Neuwahlen am 19. April 1997.

Mai 1997 - Juli 2001: Mitte-Rechts-Regierung unter Kostow

Das Bündnis Vereinigte Demokratische Kräfte (ODS), in dem die SDS dominiert, gewann die Wahlen mit einer eindeutigen Mehrheit. Premier wurde Iwan Kostow. Die neue Regierung verordnete ein strenges Sparprogramm. Eine straffe Wechselkurspolitik hat zumindest die galoppierende Inflation gebremst, aber kaum Strukturprobleme der bulgarischen Wirtschaft gelöst.

Juli 2001 - 2005: Mitte-Rechts-Bündnis des Ex-Königs Simeon II.

Bei den Wahlen im Juni 2001 führte Ex-König Simeon II., mit bürgerlichem Namen Simeon Sakskoburggotski, seine Nationale Bewegung (NDSW) zu einem eindeutigen Sieg. Die Regierung kann vor allem im Bereich der Wirtschaft Erfolge aufweisen. In die Amtszeit des Ex-Königs fällt auch der NATO-Beitritt (März 2004) sowie die Unterzeichnung des EU-Beitrittsertrags (April 2005). Dennoch haben sich für große Teile der Bevölkerung die in den Ex-König gesetzten Hoffnungen auf bessere Lebensbedingungen nicht erfüllt. Ein weiteres großes Problem stellt nach wie vor die Korruption dar. (APA)