Brüssel - Die Ablehnung der EU-Verfassung und der Streit um den Haushalt für die Jahre 2007 bis 2013 haben die Europäische Union in eine tiefe Krise gestürzt. Es ist bei weitem nicht die erste - seit den Anfängen gab es immer wieder herbe Rückschläge für die europäische Integration:
  • 30. August 1954: Die Europäische Verteidigungsgemeinschaft (EVG) scheitert. Die französische Nationalversammlung weigert sich, den im Mai 1952 unterzeichneten EVG-Vertrag zu ratifizieren. Erst rund 40 Jahre später werden wieder Schritte für eine Europäische Sicherheits- und Verteidigungspolitik unternommen.

  • 14. Jänner 1963: Frankreichs Präsident Charles de Gaulle verhindert per Veto den Beitritt Großbritanniens zur Europäischen Gemeinschaft. Das Vereinigte Königreich wird erst zehn Jahre später aufgenommen.

  • 30. November 1979: Die britische Premierministerin Margaret Thatcher besteht auf einer Absenkung der Beitragszahlungen ihres Landes zum gemeinsamen Haushalt ("I want my money back!"). Der Britenrabatt wird 1984 gewährt - zum Missfallen anderer EU-Mitgliedstaaten, das bis heute währt.

  • 2. Juni 1992: Der Maastricht-Vertrag zur Währungsunion wird von den Dänen in einer Volksabstimmung mit 50,7 Prozent abgelehnt. Daraufhin werden Dänemark Ausnahmeregelungen gewährt. 1993 stimmen die Dänen mit knapp 57 Prozent zu.

  • 16. März 1999: Die EU-Kommission unter Jacques Santer tritt nach Betrugsvorwürfen gegen mehrere Kommissare geschlossen zurück. Die neue Kommission unter dem Italiener Romano Prodi tritt mit dem Versprechen an, die Mechanismen der Finanzkontrolle zu verstärken.

  • 8. Juni 2001: Die Iren lehnen den Vertrag von Nizza mit 54 Prozent ab. Der Vertrag sieht eine neue Machtbalance für die Zeit nach der Osterweiterung der EU vor. Beim EU-Gipfel von Sevilla im Juni 2002 wird Irland die "traditionelle militärische Neutralität" zugesichert. Bei einem zweiten Referendum stimmen die Iren im Oktober 2002 schließlich mit 62 Prozent zu.

  • 30. Mai/1. Juni 2005: Die Franzosen und drei Tage später die Niederländer stimmen mit deutlicher Mehrheit gegen die mühsam ausgehandelte EU-Verfassung, die mehr Demokratie und Transparenz bringen soll.

  • 6. Juni 2005: Großbritannien legt die geplante Volksabstimmung über die EU-Verfassung auf Eis. (APA)