Die Verbreitung von Handys in Deutschland hat nach einer Studie des Marktforschungsinstituts Gartner im ersten Quartal 2005 weiter zugenommen. Zugleich sei aber in dem weitgehend gesättigten Markt der durchschnittliche Umsatz, den die Mobilfunkunternehmen mit ihren Kunden erzielen, in den vergangenen Jahren stetig gesunken, teilte Gartner am Donnerstag in München mit.

Preissenkungen

Die Anbieter versuchten deshalb, mit Preissenkungen die Kunden zu einem Wechsel vom Fest- ins Mobilfunknetz zu bewegen und mit Diensten wie Internet über den neuen Mobilfunkstandard UMTS den Umsatz pro Kunden zu steigern. Allerdings stehe der neue Standard noch nicht ausreichend zur Verfügung, die Tarife seien zu hoch und die Datenübertragungsrate noch nicht befriedigend.

87,8 Prozent

Die Penetration im deutschen Mobilfunkmarkt - also die Anzahl der Handys bezogen auf die Einwohnerzahl - sei im ersten Quartal 2005 auf 87,8 Prozent von 78,6 Prozent Ende 2004 gestiegen, erläuterte Gartner. Der durchschnittliche Umsatz je Kunde sei allerdings seit dem Jahr 2000 kontinuierlich von 404,3 Euro auf 298,9 Euro im Jahr 2004 gesunken. "UMTS, das Schlagwort für die dritte Generation des Mobilfunkstandards (3G) soll nun endlich den lange erhofften Umsatz bringen", hieß es in der Studie. Dank höherer Übertragungsgeschwindigkeiten erleichtere UMTS Premiumdienste wie das Verschicken von Bildnachrichten (MMS) und mobilen Internetzugang.

Jedoch warnt Gartner vor zu großen Hoffnungen der Mobilanbieter für die neue UMTS-Technologie bei der Datenübertragung. Der deutsche Markt sei noch nicht reif für die Substitution des Datenverkehrs aus dem Festnetz und werde sich nur langsam entwickeln. "Internet via UMTS kommt zu einem Zeitpunkt scharfen Wettbewerbs im DSL-Markt. Die immer schnelleren DSL-Verbindungen werden zu sinkenden Preisen angeboten", sagte Analyst Martin Gutberlet. "Sicherlich wird ein Teile von Nutzern, die komplett mobil sein wollen, mit 3G-Datenkarten eine Alternative haben. Allerdings sind die Absatzzahlen dieser Karten bislang enttäuschend." Auch MMS werde bisher kaum in Anspruch genommen. UMTS werde zunächst vor allem das Telefonieren über Festnetz substituieren, weil die Funknetze der zweiten Generation stark ausgelastet seien.

Billiger

Gartner erwartet zudem, dass die Preise für mobiles Telefonieren in den kommenden Jahren um mindestens 20 Prozent jährlich fallen werden. Mit dem Markteintritt von "No Frills"-Mobilfunkanbietern - Anbieter nach dem Vorbild von Billigfluglinien mit eingeschränktem Service - werde die nächste Preisrunde eingeläutet. E-Plus bietet seit Juni über seine Tochter simyo SIM-Karten im Internet an, mit denen für 19 Cent pro Minute in alle Netze telefoniert werden kann. Gartner rechnet damit, dass weitere Billigangebote folgen werden. (APA/Reuters)