Wenn die EU-Familie sich trifft, um weit in die Zukunft reichende Probleme zu lösen, stehen die Verlierer von vornherein fest: die künftigen EU-Mitglieder. Werden doch reihum künftige Erweiterungsschritte infrage gestellt. Besonders laut sagte das Frankreichs neuer Premierminister Dominique de Villepin: "Das Tempo der Erweiterung bringt manche Bürger auf." Gerade nach den negativen Verfassungsvoten in Frankreich und in den Niederlanden müsse genau geprüft werden, welche Staaten wann beitreten.

CSU-Chef Edmund Stoiber nannte konkret ein Land, mit dem Beitrittsverhandlungen fixiert sind: die Türkei. "Das war der größte Fehler. Das muss man noch einmal besprechen." Von Berlin aus schickte Unions-Kanzlerkandidatin Angela Merkel die Botschaft, dass eine "privilegierte Partnerschaft" für die Türkei reiche. Diese Position teilt auch die FDP.

Der Verhandlungsstart mit der Türkei ist für 3. Oktober fixiert. Beitreten könnte die Türkei frühestens 2015. Mit der Diskussion um die Verfassungskrise könnten die Kriterien für den Beitritt nun strenger werden. Das könnte auch Kroatien treffen: An sich sind Beitrittsverhandlungen fixiert, wegen mangelnder Zusammenarbeit mit dem Haager Kriegsverbrechertribunal aber auf unbestimmte Zeit verschoben. Abgeschlossen sind die Verhandlungen mit Rumänien und Bulgarien, deren Beitritte vielleicht von 2007 auf 2008 verschoben werden. Schon jetzt aber müssen sie draufzahlen: Ihre künftigen Agrarförderungen wurden im EU-Budget 2007-2013 gekürzt. (DER STANDARD, Print-Ausgae, 17.6.2005)