Wien - In England ist es Punch, in Italien Pulcinella, in der Türkei Karagöz: Der Kasperl hat viele Verwandte in der ganzen Welt, die sich seit Jahrhunderten mit Krokodilen, Bösewichten und Dummköpfen herumschlagen, um die Prinzessin zu retten.

Diese illustren Volkshelden und Kinderlieblinge sind dieses Wochenende bei den ersten "Wiener Welt Wurstel Tagen" im Wurstelprater zu Gast - an dem Ort, der seinen Namen dem Kasperl, auch Wurstel genannt, verdankt. Neben einer Getränkeausschank war das Kasperltheater die erste Attraktion des Prater bei seiner Eröffnung als Volksvergnügungspark im Jahr 1776.

Kasperlfestival als Chance

In den letzten Jahrzehnten führte der Kasperl eine "dahinvegetierende Existenz", sagt Elis Veit, die "Prinzipalin" des Original Wiener Kasperltheaters, das sie vor zehn Jahren mit ihrem Ensemble aus der Versenkung geholt hat und seither mit viel Engagement betreibt. Sie sieht das erste internationale Kasperlfestival, das natürlich am neuen Wurstelplatz seine Zelte aufschlägt, als Chance "die Kultur des Kasperl und des Jahrmarktspiels zu erhalten, das weltweit verbreitet ist."

Bei der Eröffnung am Freitagabend gibt es einen Vortrag über die mythologischen, religiösen und psychologischen Wurzeln der Narren in Schauspiel und Puppentheater. Am 18. und 19. Juni geben dann die Kasperlfiguren aus sieben Ländern ihre Vorstellungen zum Besten. Veit hat ein Programm für jede Altersgruppe zusammengestellt: "Traditionell richtete sich das Kasperltheater an Erwachsene - bis die Zensur durchschlug. Unsere Wursteln wollen nicht den Zeigefinger erheben, sondern bewusst die Gesellschaft aufs Korn nehmen." (kri, DER STANDARD - Printausgabe, 17. Juni 2005)