Kaschau - Nach den Frauen, die seit 1984 mit nur drei Ausnahmen (Olympia 1988, 1996, 2004) stets bei Handball-Großereignissen mit von der Partie waren und am Freitag in Kufstein (20.15 Uhr/live TW1) gegen Aserbaidschan um die WM-Qualifikation 2005 (St. Petersburg) kämpften, möchten die Männer in der EM-Ausscheidung für 2006 Seltenes schaffen. Im Playoff-Rückspiel am Samstag (17.30 Uhr) in der Slowakei könnten sie erstmals seit Schweden 1993 (WM) eine Fahrkarte für ein großes Turnier lösen.

Die Chancen, dass das starke Geschlecht seinem Namen auch gerecht wird, stehen zur Barrage-Halbzeit günstig. Die Österreicher reisten mit einem Sechs-Tore-Guthaben (25:19) im Gepäck nach Kaschau. Doch so gut das auf dem Papier aussieht, so schwierig wird es in der Praxis. Die rot-weiß-rote Truppe erwartet die "Hölle". Dazu ÖHB-Teamchef Rainer Osmann: "Da kommt es vor, dass die Faust des Gegners im Gesicht landet. Wir müssen uns darauf einstellen, die Startphase überstehen und die Nerven behalten."

Wie es in der Slowakei zugeht, darüber hat ihn Bregenz-Manager Roland Frühstück, dessen Klub im September in der Champions in Presov ein 21:35-Debakel erlitt, informiert. "Er sagte zu mir, dass uns dort in allen Belangen sogar Krieg erwartet", erzählt Osmann, der von seinen Schützlingen in der Defensive so eine "hervorragende Leistung" wie im Hinspiel in Hard sowie eine Steigerung und mehr Beweglichkeit im Angriffsspiel erwartet. Aus einer gesicherten Abwehr soll die Partie möglichst lange offen gehalten werden.

"Wir dürfen das Risiko nicht überziehen, werden mit einer 6:0-Deckung beginnen und es über den Gegenstoß versuchen", skizzierte der deutsche Trainer seine taktische Marschroute. An der Einstellung seiner Spieler wird es sicher nicht mangeln. "Für manche ist es sogar mehr als das Spiel des Jahres!" An Polen 2003, als in der EM-Ausscheidung ein Sechs-Tore Vorsprung verjuxt wurde, denkt niemand. Osmann: "Auch, weil wir erfahrener, reifer geworden sind." Tormann Thomas Huemer meint: "Daran zu denken, wäre völlig falsch. Wir werden bis zum Umfallen kämpfen."

Ob mit dem Kapitän David Szlezak oder ohne ihn, wird sich erst im Abschlusstraining entscheiden. Der Deutschland-Legionär hatte vor dem Hinspiel im Abschlusstraining einen Nasenbeinbruch erlitten, dann trotzdem gespielt und sich Anfang dieser Woche einer Operation unterziehen müssen. Sein Gesicht war in dieser Woche dementsprechend geschwollen. Szlezak, mit sieben Toren bester ÖHB-Werfer in Hard, ließ sich am Freitag eine neue Maske anpassen.

Osmann sagte über seinen Kapitän: "Es ist auch ein psychisches Problem. Dass wir ihn brauchen und er wichtig für uns ist, ist keine Frage." Der Trainer nahm vor der Abreise noch eine Änderung in seinem Kader vor. Statt Tormann Johannes Winkler wurde Linkshänder Michael Knauth (beide Bregenz) mitgenommen. "Eine Rückversicherung, sollte Szelzak nicht spielen können", begründete Osmann, dem sein Team mit einem Ticket in die Schweiz (EM-Endrunde Anfang 2006) ein riesiges Geburtstagsgeschenk bereiten könnte. Der Deutsche wird am 6. Juli 55.(APA)