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Bei der Wahl wird ein Finger mit wasserfester Tinte markiert, um Mehrfachabstimmungen zu verhindern. Im Bild das Wahllokal in der iranischen Botschaft in Amman.

Foto: Reuters/Ali Jarekji

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Wahlhelferinnen in der Wahlzentrale Teherans beim Auswerten der Stimmen.

Foto: Reuters/DAMIR SAGOLJ

Rafsandjani Herasuforderer: Teherans Bürgermeister Ahmadinejad gilt als Hardliner und Parteigänger des geistlichen Staatsoberhaupts Ayatollah Ali Khamenei.

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Wahlplakate des Teheraner Bürgermeisters Mahmud Ahmadinedschad

Foto: AP/Foroutan
Teheran - Zum ersten Mal in der iranischen Geschichte fällt die Entscheidung über den nächsten Staatspräsidenten in einer Stichwahl. Der frühere Amtsinhaber Hashemi Rafsandjani und der Teheraner Bürgermeister Mahmud Ahmadinedschad nahmen bereits am Sonntag ihren Wahlkampf wieder auf, um die Bürger zu überzeugen, am kommenden Freitag für sie zu stimmen. In der ersten Wahlrunde am vergangenen Freitag kam der 70-jährige Rafsandjani auf 21 Prozent, Ahmadinejad als Zweiter auf 19,48 Prozent. Er konnte sich damit knapp gegen den früheren Parlamentspräsidenten Mahdi Karrubi durchsetzen, der 19,3 Prozent der abgegebenen Stimmen erhielt.

Rafsandjani gilt als Pragmatiker. Im Wahlkampf bemühte er sich besonders um die Stimmen der jungen Wähler, zeigte sich im Fernsehen gemeinsam mit seiner Frau und jugendlichen Anhängern. Sein Rivale Ahmadinejad wird als Hardliner und Parteigänger des geistlichen Staatsoberhaupts Ayatollah Ali Khamenei eingestuft. Er genießt die Unterstützung konservativer Kräfte, darunter der Revolutionswächter. Im Wahlkampf erklärte er, der Iran brauche keine weiteren Reformen, und kündigte eine "Islamisierung der Regierung" an.

Reformer

Karrubi trat früher für Reformen ein und präsentierte sich im Wahlkampf als Reformer, zählt aber für die meisten Iraner zum Lager der konservativen Kleriker. Der Hoffnungsträger der Reformer, Mostafa Moin, fiel auf den fünften Platz zurück. Der frühere Kulturminister und Kandidat der Islamischen Iranischen Beteiligungsfront lag damit noch hinter dem ehemaligen Polizeichef Mohammad Bagher Kalibaf, einem ausgesprochenen Hardliner.

Karrubi bezichtigte die ultra-konservativen Anhänger seines Konkurrenten Ahmadinejad des Wahlbetrugs. "Es hat einige seltsame Störungen gegeben. Geld hat den Besitzer gewechselt", sagte der ehemalige Parlamentspräsident. Der konservative Wächterrat hätte Ahmadinejad "gleich ohne Wahlen einsetzen sollen", sagte Karrubi. "Für mich ist diese Wahl gefälscht." Karrubi verlangte eine offizielle Untersuchung und drohte mit Demonstrationen, sollte seine Forderung nicht erfüllt werden.

Wirkungsloser Boykottaufruf

Die Wahlbeteiligung lag den offiziellen Angaben zufolge bei 62,7 Prozent. Die Boykottaufrufe einiger Oppositionsgruppen schienen damit wirkungslos geblieben zu sein. Die absolute Mehrheit wurde offenbar nirgendwo im Lande erreicht. Der von Anfang an als Favorit gehandelte Rafsandjani blieb selbst in seiner südiranischen Heimatprovinz Kerman mit etwa 45 Prozent der Stimmen darunter, wie ein Sprecher der dortigen Wahlbehörde mitteilte.

Angesichts von Inflation und Arbeitslosigkeit habe das Versprechen von mehr Freiheit nur Intellektuelle angesprochen, kommentierte der iranische Politologe Resa Fathi den Wahlausgang. "Diese Zeiten sind vorbei."

Mehrere tausend Menschen protestierten am Samstag in Frankreich gegen die Präsidentenwahl im Iran. Sie versammelten sich im Stadion von Cergy nordwestlich von Paris und forderten eine Ende des Mullah-Regimes. An dem Protest beteiligten sich nach Einschätzung der Behörden zwischen 5.000 und 7.000 Menschen. Die Veranstaltung organisiert hatte der Nationale Widerstandsrat, der politische Arm der iranischen Mudschahedin. Die Frau von dessen Vorsitzenden Massud Radjawi, Marjam Radjawi, verurteilte die Wahl als "Farce" und erklärte, die Bürger hätten jetzt die "Wahl zwischen zwei Terroristen". (APA/AP)