Wie schon bei der Entwicklung des World Wide Web (WWW) leisten Hochenergiephysiker bei der Entwicklung der noch jungen Wissenschaft des GRID-Computing Pionierarbeit. So ist es auch kein Zufall, dass mit Heinz Stockinger ein ehemaliger Mitarbeiter des europäischen Forschungszentrums CERN das "Research Lab - Computational Technologies and Applications" der neu gegründeten Fakultät für Informatik der Uni Wien leitet.

Verteilte Rechnerressourcen

Dass gerade Hochenergiephysiker einmal mehr eine weltweite Vernetzung von Computern voran treiben, ist kein Zufall, berichtete Stockinger gegenüber der APA. So fallen bei den Experimenten in den Beschleunigern Datenmengen an, die von kaum einem Rechenzentrum alleine bewältigt werden können. Im Gegensatz zum Vorgänger WWW, das hauptsächlich zur Übermittlung von Information dient, ist das GRID ein Instrument, mit dem auf weltweit verteilte Rechnerressourcen zugreifen kann.

Middleware

Wie auch das WWW verwendet das GRID die mittlerweile bestehende, weltweite Computervernetzung, nämlich das Internet. Beim so genannten statischen GRID klinkt sich ein Interessent, etwa ein CERN-Mitarbeiter, über die Client-Software auf seinem Rechner in einen Vermittler ein. Dort tritt die so genannte Middleware in Aktion und verteilt die vom Wissenschafter gewünschte Aufgabe - etwa die Verarbeitung von Rohdaten eines Experiments an ein oder mehrere Rechenzentren. Ist der Job erledigt, bekommt der Physiker die Ergebnisse auf den Rechner.

Dynamisches GRID

Es besteht aber auch die Möglichkeit, ein so genanntes dynamisches GRID aufzubauen. Dabei werden über einen Controller einzelne Computer vernetzt. Wird ein Rechner gerade nicht benutzt, können andere User auf dessen Speicher- und Rechnerressourcen zugreifen und ausnutzen.

Wissenschaftliche Zwecke

Vor allem für wissenschaftliche Zwecke, aber auch schon für Firmen laufen weltweit bereits GRID-Anwendungen. Etwa Industrie-Bereiche, die extrem aufwendige Simulationen durchführen müssen, machen Gebrauch vom Computer-Sharing. Bis auch private User in den Genuss von GRID-Technologie kommen werden, wird schon noch einige Zeit vergehen, wenigstens fünf Jahre, meinte Stockinger.

Möglichee Anwendungen

Noch nicht wirklich absehbar sind die möglichen Anwendungen der neuen Möglichkeiten. Neben dem einfachen Austausch von Rechner-Ressourcen arbeiten Experten in den Bereichen Data-GRID oder Semantic-GRID an Möglichkeiten, wie auch Speicher und Datenbanken weltweit vernetzt werden können. Das würde einem User das Auffinden von gewünschten Informationen erleichtern. Er müsste sich nicht über Suchmaschinen und Stichworte durch Datenmüll kämpfen, sondern könnte Anfragen als Satz formulieren. Eigene Software-Einheiten, so genannte Agenten, machen sich dann auf den Weg in verschiedene Datenbanken und fördern das gewünschte zu Tage.

Sicherheit

Bezüglich Sicherheit gibt es laut Stockinger derzeit relativ wenig Probleme in GRID-Netzen, da einerseits die Zahl der User überschaubar ist und vor allem die wenig anfälligen Betriebssysteme Unix oder Linux eingesetzt werden. Auch müssen sich Benutzer über eine eigene Zertifizierung, den GRID-Pass, anmelden. Aber mit Zunahme der Anwendungen und User wird das Thema Hacker, Cracker und Viren sicher eine Herausforderung, ist der Experte überzeugt.(Apa)