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Die Opec, im Bild deren Präsident Scheich Ahmed el Fahd el Sabah, zugleich Kuwaitischer Ölminister, hatte vergangenen Mittwoch eine schrittweise Anhebung ihrer Ölfördergrenzen um bis zu eine Million Fass beschlossen.

Foto: AP/Ronald Zak
London/Wien - Die internationalen Ölpreise haben am Montag einen neuen Rekordstand erreicht und die weltweiten Börsen unter Druck gesetzt. In London wurde das Fass erstmals über 58 Dollar gehandelt. In New York überstieg der Ölpreis bereits die 59-Dollar-Marke.

Grund dafür sind vor allem knappe Kapazitäten in der Ölverarbeitung, dazu kamen neue Terrorängste in Nigeria und im Irak. Die USA, Großbritannien und Deutschland hatten Ende vergangener Woche aus Sicherheitsgründen ihre Vertretungen in der nigerianischen Metropole Lagos geschlossen.

Auch OPEC-Rohölpreis steigt weiter

Auch der Preis für Rohöl der Organisation Erdöl exportierender Länder (OPEC) ist Ende der vergangenen Woche erneut angestiegen. Der so genannte Korbpreis, der nach neuer Berechnung ausschließlich auf Sorten aus der OPEC-Förderung beruht, lag am Freitag bei 51,58 US-Dollar (42,36 Euro) pro Fass (159 Liter). Das waren 1 Dollar 40 Cents mehr als am Vortag, gab das OPEC-Sekretariat in Wien laut dpa am Montag bekannt. Im Wochendurchschnitt kostete OPEC-Rohöl in der vergangenen Woche 51,62 Dollar. Wegen der Umstellung im Berechnungssystem ist der Anstieg gegenüber der Vorwoche um 89 Cents jedoch nicht aussagekräftig.

Die OPEC hatte vergangenen Mittwoch eine schrittweise Anhebung ihrer Ölfördergrenzen um bis zu eine Million Fass beschlossen, hatte damit aber keinen Ölpreisrückgang bewirken können.

Der nachgebende Eurokurs verstärkt in Europa den negativen Ölpreiseffekt. Am Montagvormittag sank der Euro gegenüber dem Dollar erneut um 0,5 Prozent auf 1,2224 Dollar, nachdem die EU-Staats- und Regierungschefs Ende der Vorwoche keine Einigung über das EU-Budget und die künftige EU-Verfassung erzielt hatten.

60-Dollar-Grenze "in den nächsten Tagen"

Händler erwarten, dass der Ölpreis bereits in den nächsten Tagen die 60-Dollar-Grenze erreichen wird. Eine Entspannung sei nicht in Sicht, hieß es. Die Aktienmärkte hatten bisher gelassen auf die hohen Ölpreise reagiert. Der Fall der 60-Dollar-Marke könnte jetzt aber eine Zerreißprobe für die Nerven der Investoren darstellen, meinte ein Investmentbanker am Montag.

Der deutsche Aktienindex DAX gab bis 11:15 Uhr (MESZ) um fast ein Prozent auf 4.563,15 Punkte nach. Der japanische Nikkei-Index sank um 0,27 Prozent auf 11.483,35 Punkte. Der ATX ging um 0,02 Prozent auf 3.019,98 Punkte zurück.

US-Leichtöl bei 59,23 Dollar

In New York war davor in der Nacht der Preis für ein Fass US-Leichtöl auf einen Rekordwert von 59,23 Dollar gestiegen. Das waren 76 Cent mehr als der am Freitag zum Handelsschluss in New York erreichte Rekord. In London wurde die marktführende Ölsorte Brent (zur Lieferung im August) zwischenzeitlich um 58,08 Dollar gehandelt und damit um 32 Cent über dem Schlusskurs von Freitag.

Deutsche Konjunkturexperten gaben Montagfrüh vorsichtige Entwarnung. "Mit einem Einbruch ist allein durch den Ölpreis nicht zu rechnen", sagte Eckhardt Wohlers, Rohstoffexperte vom Hamburgischen Welt-Wirtschafts-Archivs (HWWA), der Finanz-Nachrichtenagentur dpa-AFX. Vom Ölpreisanstieg gehe allerdings ein dämpfender Effekt auf die deutsche Wirtschaft aus. Angesichts der sehr schwachen internen Dynamik bestünden weiterhin Risiken für die Entwicklung der deutschen Wirtschaft. Ein vorübergehender Rückgang der Wirtschaftsleistung sei vor diesem Hintergrund "nicht auszuschließen", sagte Wohlers. (APA)