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Foto: Reuters/Sugita
Graz - Ein multimediales Lernsystem, dass sich exakt auf die Lerngewohnheiten des Users anpasst, wird an der Fachhochschule (FH) Joanneum entwickelt. Das System basiert auf der so genannten digitalen Blick-Analyse. Dabei zieht die Software aus den Augenbewegungen u.a. Schlüsse, ob der Benutzer bildliche Informationen bevorzugt oder Text - und liefert den Lernstoff in der entsprechenden Darstellungsform. Das Projekt ist Teil des Grazer Wahrnehmungslabors "Vision Space" der FH Joanneum.

Eye-Tracking

"Blickbewegungen fördern nicht nur Augenscheinliches zu Tage, sondern sie gewähren auch tiefe Einblicke in die kognitiven Prozesse des Menschen", so Maja Pivec, Leiterin des Projektes "ADELE" (Adaptive E-Learning with Eye-Tracking). Daher arbeiten Wissenschafter bereits seit längerem mit "Eye-Tracking", das bisher vor allem bei Wahrnehmungsuntersuchungen von Werbebotschaften oder dem Aufbau von Internetseiten angewendet wurde: Die Blickbewegungen der Testperson werden bei solchen Untersuchungen mit einer Kamera festgehalten, grafisch aufgelöst und dann am Bildschirm von der gezeigten Lernsequenz überlagert.

Auf diesem Weg kann festgestellt werden, welche der visuell dargestellten Informationen (Fotos, Grafiken, Text) für wie lange und in welcher Reihenfolge wahrgenommen werden, schildert Konrad Baumann, Leiter des "VisionSpace" an der FH Joanneum, in dem die Tests durchgeführt werden. "Eye-Tracking" kann somit analysieren, was sich der bewussten Kontrolle der Testperson entzieht: Zum Beispiel, wann jemand zögert, etwas anzuklicken oder worauf der Benutzer zuerst fokussiert.

Erstellung eines Lernprofils

Das an der FH in Entwicklung befindliche System geht noch einen Schritt weiter: Nachdem es erkannt hat, wie der User am liebsten lernt, passt es die Aufbereitung der Informationen entsprechend an. Zurzeit kann das Grazer System unterscheiden, ob die Testperson lieber Bilder oder Text hat und liefert entsprechend vermehrt bildliche Darstellungsformen oder stellt sich auf Textmodus um. "Liest der Lernende zum dritten Mal denselben Absatz, so liefert ADELE zusätzliche Informationen zur Unterstützung aus einer Hintergrundbibliothek", so Pivec. Überspringt der Lernende ganze Passagen, wird ihm die Information gleich noch einmal präsentiert. In den kommenden drei Jahren will man weitere und genauere Parameter zur Definition des Lernprofils erstellen.(APA)