Hamburg - Spekulanten an den internationalen Börsen treiben nach Einschätzung des Hamburger Mineralölwirtschaftsverbands (MWV) den Ölpreis derzeit auf neue Höhen. "Es gibt keine Rohölknappheit", sagte die Verbandssprecherin Barbara Meyer-Bukow am Montag.

Auch an den bereits bekannten Gründen für die steigenden Preise habe sich nichts geändert, so dass sie für den derzeit weiteren Anstieg nicht ursächlich sein könnten, ergänzte Meyer-Bukow. Vermutet wird, dass Spekulanten das Allzeithoch von 60 Dollar knacken wollen. Der US-Ölpreis lag Montag früh bei 59,18 Dollar (48,60 Euro).

Nachfrage an Tankstellen nimmt kontinuierlich ab

Wie weit die Rekordpreise an deutschen Tankstellen zu einer Verringerung des Kraftstoffverbrauchs führen werden, lässt sich nach den Worten der MWV-Sprecherin "schwer sagen". Sie verwies darauf, dass die Nachfrage kontinuierlich abnimmt. 2005 erwartet der MWV bei Ottokraftstoff einen Rückgang von erneut rund 3,0 Prozent. Als Gründe werden effizientere Motoren, aber auch Zurückhaltung beim Tanken wegen hoher Preise sowie der Tanktourismus in Nachbarländer genannt.

Als Grund für die hohen Kraftstoffpreise gelten vor allem auch die weitgehend ausgelasteten Verarbeitungskapazitäten in den USA, so dass dort "nicht sehr viel mehr Mineralölprodukte hergestellt werden können", erläuterte die MWV-Sprecherin. Die Kraftstoff-Nachfrage wird zu Beginn der Sommerreisezeit in den USA weiter steigen. Die Rohöl-Lagerbestände seien international aber nicht so niedrig, als dass die Spekulationen gerechtfertigt seien. Des weiteren sei für Teile der USA jüngst eine starke Hurrikan-Saison prognostiziert worden, sagte Meyer-Bukow. Die Befürchtung, dass die Ölförderung im Golf von Mexiko wie im Vorjahr zeitweise ausfallen könnte, fließe in die Börsenspekulation ein.

Auch in anderen Erdteilen bleibt die Nachfrage nach Rohöl und Mineralölprodukten hoch. "China wird in diesem Jahr die Hälfte seines Rohölbedarfs importieren", erläuterte Meyer-Bukow. Das wirtschaftlich aufstrebende Land sei vor Jahren noch Selbstversorger gewesen. (APA/dpa)