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Und wie groß ist die Gefahr, in hiesigen Breiten mit Krankheiten infiziert zu werden? Antworten rund um die Gelse.

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Ein helles "Sirren" in der Dunkelheit, das immer lauter wird - schon steht man Habt-Acht. Das Geräusch, das für die meisten Menschen einfach nur nervtötend ist, wird durch den Flugton der weiblichen Gelsen erzeugt, der je nach Art bei rund 350 Hertz liegen soll. Es sind auch die Weibchen, die stechen und Blut absaugen, notwendige Proteine, um Eier bilden zu können. Ihre Mundwerkzeuge sind - anders als bei den Männchen - so konstruiert, dass sie Hautgewebe durchbohren können.

Aufgrund der Witterung bisher wurde für 2005 hier zu Lande ein mittelschlimmes Gelsenjahr prophezeit. "Was immer regional zu sehen ist", wie Wolfgang Lechthaler feststellt, Gewässerbiologe, der ein Technisches Büro für Biologie betreibt und sich u. a. mit Gelsen und Fliegen als Bioindikatoren befasst. Nässe allein reiche aber nicht aus, damit sich Gelsen kräftig vermehrten. "Stehendes Wasser ist ideal." Aber jede Form von Strömung oder Fische, welche die Larven fressen, die bei einigen Arten durch Adhäsion direkt unter der Wasseroberfläche "hängen", oder chemischen Stoffe im Wasser verhindern die Vermehrung. Hochwasser wie im Jahr 2002 seien daher schlimm.

Bei welchen Temperaturen es sich Stechmücken besonders gemütlich machen, ist abhängig von der Art, von denen es weltweit etwa 2600 gibt. Aedes ochlerotatus sind jene Gelsen, die im Frühjahr über den Menschen herfallen. Deren Eier, die Sommer und Herbst auf feuchte oder trockene Erde abgelegt werden, entwickeln sich, sobald diese Stellen im Frühjahr geflutet werden. Die Art Culex pipiens ist im Sommer aktiv und bevorzugt urbanes Ambiente. "Sie mag die Nähe von Häusern, wo die kleinen Gefäße mit Wasserresten herumstehen, in die sie Larven legt", so Lechthaler.

Siedlungszonen

Stechmücken sind "Vektoren", Überträger von Infektionskrankheiten, wobei durch die globale Erwärmung Bewegung in die Siedlungskarte der Stechmückenarten gekommen ist, was Lechthaler als "bedenklich" bezeichnet. Stegomyia albopictus beispielsweise sei eine Art, die "eingesiedelt ist". Sie lebt besonders gerne in künstlichen Gewässern, die durch Wasserreste in Alltagsgegenständen entstehen wie in alten Autoreifen. Die Siedlungsreise der Stegomyia, ursprünglich im subtropischen asiatischen Raum beheimatet, konnte so nachvollzogen werden. Heute kommt sie auch in südeuropäischen Ländern wie Italien, Griechenland oder Restjugoslawien vor. Sie sei zwar nicht gefährlich, erklärt Lechthaler, "aber jede Art bringt eine Krankheit mit, auf die wir nicht vorbereitet sind".

In unseren Breiten ist "aber Hysterie nicht notwendig", beruhigt Lechthaler. Stechmücken seien hier vor allem eine Belästigung, keine Gefährdung. Anders die Situation in den Tropen: "Den meisten Leuten, die dort durch Tiere sterben, werden Gelsen zum Verhängnis." Anopheles, deren Arten jedoch hier nicht existieren, hat es als Überträger der Malaria zu beklemmender Bekanntheit gebracht. Dengue-Fieber und das West-Nil-Virus sind Krankheiten, die noch bis in die erste Hälfte des 20. Jahrhunderts in Südeuropa Epidemien verursacht haben.

Viele Kulturen in der Antike wurden durch Gelsen dezimiert, so Lechthaler. Alexander der Große starb an Malaria. "Auch die Landkarte von heute ist durch sie gezeichnet", so Lechthaler weiter. Während der napoleonischen Kriege wurden viele Soldaten Opfer von Krankheiten, die durch Gelsen übertragen wurden. Beim Bau des Panamakanals gab es zahlreiche Todesfälle durch Gelbfieber und Malaria.

Eine wirksame Methode, um Stechmücken die Vermehrungsgrundlagen zu entziehen ist z. B. Sümpfe trockenzulegen. Wichtige Forschungsaspekte sind heute die biologischen Zusammenhänge, da ein radikales Auslöschung z. B. auch jene Tiere gefährdet, die sich von Gelsen ernähren, sowie die Toleranz, die gegen Insektizide entwickelt wird. (Luzia Schrampf/DER STANDARD, Print-Ausgabe, 20. 6. 2005)