Manager haben alle Hände voll zu tun, um im Wettbewerb für kommerzielle Bodenhaftung zu sorgen. Die Konkurrenz schläft nicht, Marktanteile mutieren schnell zu Momentaufnahmen mit Ablaufdatum. Das Thema Zukunft muss daher oft in die Warteschleife - vor allem bei jenen Unternehmen, die es in die Oberliga geschafft haben.

"Top-Unternehmen sind stark im Tagesgeschäft verankert und haben kaum noch Zeit, an Morgen zu denken. Der Erfolg wird zum Hemmschuh für Innovationen", so Otto Petrovic, Vorstandsvorsitzender von Evolaris. Das Kompetenzzentrum für E-Business gilt als eine Anlaufstelle für Verantwortliche, die auf Prophylaxe gegen solche Szenarien setzen. Denn auch im Bereich Telekommunikationen können Forscher einen "Blick über den Tellerrand" ermöglichen, so Petrovic.

Längst haben sich Berührungsängste zwischen Wirtschaft und Wissenschaft aufgelöst: Wo früher Elfenbeintürme geortet wurden, agieren heute moderne Thinktanks. Sie arbeiten im Rahmen der Partnerschaften nicht abgehoben von der Realität, sondern an jenen Problemen, für deren Lösungen die Manager anwendbare Impulse benötigen.

"Unternehmen profitieren von der konzentrierten Expertise und können Inhalte mit internationalen Fachleuten bearbeiten", sagt Markus Kommenda, Geschäftsführer des Forschungszentrum Telekommunikation Wien (ftw.). So steigt nicht nur die Aussicht auf zählbare Erfolge, auch der Verbleib auf der Überholspur des Wettbewerbes wird gesichert. Letztlich geht es darum, die wichtigen Trends nicht zu verpassen und möglichst selbst Akzente zu setzen. Ein Zusatzeffekt betrifft die interne IQ-Optimierung: Der Wissenstransfer von jenen Denklabors dient gleichzeitig der Ausbildung eigener Mitarbeiter.

Positive Reaktion

Die Wirtschaft reagiert positiv auf solche Perspektiven. Mobilkom Austria beispielsweise arbeitet mit Evolaris sowie dem ftw. Boris Nemsic, Generaldirektor des Netzbetreibers: "Wir haben großes Interesse an solchen Kooperationen und profitieren vom intensiven Informationsaustausch. Im Mittelpunkt stehen hier der Ausbau der Technologiekompetenz sowie die Sicherung unserer Marktposition." Für dieses Ziel werden relevante Aspekte wie Benutzerfreundlichkeit und Qualität ebenso wissenschaftlich durchleuchtet wie die Erfahrungen von Kunden mit Diensten. Nemsic: "Die Ergebnisse solcher Projekte wurden schon erfolgreich zur Optimierung der mobilen Breitbandnetze genützt."

Die Annäherung von Theorie und Praxis kennt jedoch auch ganz klare Grenzen. Manche Betriebe mit mangelnder professioneller Einstellung orten die Chancen, sich auf relativ kostengünstige Art Know-how zu beschaffen. Stichwort "Verlängerte Werkbank". Das Resultat dürfte auf beiden Seiten Frust auslösen. An der falschen Adresse sind gleichfalls jene, die Wunder erwarten und automatisch davon ausgehen, dass die Killerapplikation auf den Tisch gelegt wird. Forschung ist immer mit Risiko behaftet, sagen die Experten - Höhenflüge kann niemand garantieren.

Dafür sind Herausforderungen Forscheralltag. Sie gehören auch zur Partnerschaft des E-Commerce-Kompetenzzentrum EC 3 und der APC interative, die unter anderem "Multimedia Payphones" betreibt. "Hier eröffnet sich ein neuer, ökonomisch nicht ganz einfacher Markt, der zwischen Telefonie, Rundfunk und Internet positioniert ist und dazu starke Affinität zur Außenwerbung aufweist", sagt Karl Fröschl, wissenschaftlicher Geschäftsführer des EC 3. (pren/DER STANDARD, Print-Ausgabe, 20. 6. 2005)