Es ist knapp ein halbes Jahr her, da stand die Welt in heller Aufregung. Alle (Medien-)Blicke waren nach Südostasien gerichtet, wo ein verheerendes Seebeben und eine dadurch ausgelöste Flutwelle am 26. Dezember mehr als 220.000 Menschen in den Tod gerissen hatte. In Österreich war zunächst von 1.350 Landsleuten die Rede, zu denen kein Kontakt hergestellt werden konnte - täglich wurden neue Horrormeldungen von Toten und Vermissten bekannt. Heute liegt die Zahl der identifizierten österreichischen Todesopfer bei 75.

15 Österreicher werden noch vermisst

Einen Tag nach der Katastrophe wurden die ersten vier österreichischen Todesopfer offiziell bestätigt - die Zahl jener Österreicher, zu denen kurz nach dem Tsunami kein Kontakt hergestellt werden konnte, war zunächst immens hoch. Hilfsteams wurden in die Krisenregionen entsandt, die österreichische Vermisste in Krankenhäusern und unwegsamem Gelände aufspürten und nach Hause brachten. Vier Tage nach der Flut konnte zu 1.350 Österreichern kein Kontakt hergestellt werden, schon einen Tag später, am 31. Dezember 2004, waren es 800. Am 10. Jänner 2005 galten noch 384 Landsleute als vermisst und am 24. Jänner waren es 101.

75 identifizierte Todesopfer

Langsam aber sicher steigerte sich ab diesem Zeitpunkt die Zahl der bestätigten Todesopfer. Heute, rund sechs Monate nach dem Seebeben, werden noch immer 15 Österreicher vermisst. 75 konnten bisher identifiziert werden - die offizielle Opferzahl beläuft sich somit auf 90, wie Major Gerald Hesztera, Sprecher des Bundeskriminalamts, gegenüber der APA bestätigte.

Österreich liegt damit laut Recherchen der Schwedischen Nachrichtenagentur TT an siebenter Stelle unter jenen Staaten, die tote Urlauber im Katastrophengebiet zu beklagen haben. An erster Stelle liegt Deutschland mit 511 Toten und 47 vermissten beziehungsweise nicht identifizierten Landsleuten. Es folgen Schweden mit 461 Todesopfern und Finnland mit 178. Insgesamt fielen den gigantischen Flutwellen - nach offiziellen Angaben - mehr als 220.000 Menschen aus über 50 Ländern zum Opfer.

Enormer Handlungsbedarf

Eine Bestandsaufnahme der AFP zeigt, dass auch sechs Monate nach der Katastrophe enormer Handlungsbedarf besteht: Auch heute sind noch Hunderttausende ohne feste Bleibe. Allein in Indonesien seien mehr als 550.000 obdachlos, knapp 96.000 von ihnen leben in Notunterkünften. Von den rund acht Milliarden Euro zugesagten Hilfsgeldern sei bisher nur ein Bruchteil tatsächlich ausgezahlt. Die wirtschaftlichen Verluste für die betroffenen Länder seien größtenteils noch gar nicht abzuschätzen. (APA)