Fundmentale Gründe für ein Investment in indische Aktien gibt es reichlich: Das neben China bevölkerungsreichste Land der Welt weist derzeit ein Wirtschaftswachstum von beachtlichen 6,2 Prozent auf. Für 2006 erwarten die Experten von HSBC einen weiteren Zuwachs auf 7,2 Prozent. Und glaubwürdige Studien gehen sogar davon aus, dass Indien beim Bruttoinlandsprodukt Deutschland im Jahr 2023 und Japan im Jahr 2032 überholen und somit zur drittstärksten Wirtschaftsmacht nach China und Amerika aufsteigen könnte.

Zugang für Investoren wurde erleichtert

Das größte Manko, das viele Investoren bislang von einem Engagement in Indien abhielt, waren die umfassenden Kapitalverkehrskontrollen und Beschränkungen für Beteiligungen ausländischer Unternehmen. Die von Ministerpräsident Manmohan Singh eingeleiteten Reformen zeigen aber – nach anfänglicher Skepsis des Marktes – bereits erste Erfolge. "Während China schon Anfang der achtziger Jahre eine Politik der Öffnung einleitete, begannen die indischen Reformen erst Anfang der neunziger Jahre. Sie wurden aber für ein demokratisches Land bemerkenswert kontinuierlich umgesetzt", analysiert Maarten-Jan Bakkum, Emerging Markets Stratege bei ABN-AMRO Asset Management. Als das neue Mitte-Links-Bündnis schließlich Mitte 2004 die Wahlen gewann, stürzte der indische Leitindex BSE Sensex um mehr als 15 Prozent ab. Doch in der Zwischenzeit kletterte er bereits wieder auf ein neues Rekordhoch.

Außenpolitische Beruhigung schafft Vertrauen

Auch außenpolitisch verzeichnet Singh Erfolge. Hoffnungen weckt vor allem die Annäherung mit Pakistan. Die seit über 50 Jahren andauernden Spannungen zwischen den Nachbarn ebben langsam ab. "Inzwischen haben die beiden Atommächte erstmals ernsthafte Verhandlungen zur Lösung des Kaschmir-Konfliktes aufgenommen. Sollte der Deeskalationskurs andauern, entfiele einer der größten Unsicherheitsfaktoren für die gesamte Region", gibt sich Bakkum in einer Aussendung optimistisch.

Mumbai: Weltweit größte Börse

"Indien kann - im Gegensatz zu vielen anderen Schwellenländern - außerdem ein gut ausgebautes, funktionierendes Banken- und Finanzsystem vorweisen", streicht der ABN AMRO Experte heraus. So ist die 1875 gegründete Bombay Stock Exchange (jetzt Mumbai) nicht nur die älteste Börse Asiens, sie besitzt mit über 6000 Titeln auch die weltweit größte Anzahl gelisteter Werte, noch vor der NYSE "Das britisch geprägte Rechts- und Wirtschaftssystem erleichtert ebenfalls ausländische Investitionen".

Unabhängigkeit vor globalen Entwicklungen

Über eine Milliarde Inder bilden außerdem einen riesigen Binnenmarkt. "Ein Fünftel der Bevölkerung gehört der Mittelschicht an, die sich ständig vergrößert und über eine immer höhere Kaufkraft verfügt. Zudem sind über 50 Prozent der indischen Bevölkerung unter 25 Jahren jung. Die stabil wachsende Binnennachfrage gewährleistet ein robustes Wirtschaftswachstum und schützt die Volkswirtschaft vor globalen Konjunkturflauten", analysiert Sanjiv Duggal, Fondsmanager des größten Indien-Aktienfonds, HSBC GIF Indian Equity. Das spiegelt sich auch in den relativ geringen Korrelationen der indischen Börse (IFC Invest India) wider: Zum MSCI World etwa beträgt diese gerade einmal 0,39. Zum Vergleich: der S&P 500 weist eine Korrelation zu Weltaktien von 0,94 auf, der MSCI Europe 0,81 und der MSCI Far East immerhin noch 0,52.

Hohe Performance mit entsprechendem Risiko

Dass die indische Börse aber gleichzeitig auch eine der volatilsten der Welt ist, zeigt die Entwicklung der letzten fünf Jahre: Zwischen März 2000 und September 2001 fiel der IFC Invest India Index um über 60 Prozent. Nach einem Anstieg von 160 Prozent seit Mai 2003 liegt der Index jetzt wieder in etwa auf demselben Niveau wie im Jahr 2000.

Duggal langfristig (noch) vorne

Im starken Auf und Ab seit März 2000 schlug der HSBC GIF Indian Equity als einziger den IFC Invest India Index. Und auch über die letzten fünf bzw. drei Jahre weist der von Sanjiv Duggal verwaltete Fonds sowohl anhand der risikoadjustierten Performance (Sharpe Ratio) als auch anhand der absoluten Performance das beste Ergebnis aller Indien-Fonds auf. Charakteristisch für den Ansatz von HSBC Asset Management ist die gleichzeitige Berücksichtigung des Konjunkturzyklus und des relativen Werts. "Wir verfolgen also keine rein wachstums- oder wertorientierte Strategie", erklärt der Inder Duggal.

HSBC Indian Equity schon mit 153 Positionen

Aktuell gewichtet er Material und zyklischen Konsumgütern über. Bei Finanztiteln und nichtzyklischen Konsumgütern ist er dagegen untergewichtet. Zukünftig plant Duggal - trotz des Fondsvolumens von mittlerweile 2,6 Mrd. US-Dollar - stärker in den Small- und Mid Cap Bereich zu investieren. "Die Bewertungen dort sind attraktiver als bei Blue Chips", so Duggal. Eine Ausweitung der Titelanzahl, derzeit hält der Fonds 153 Positionen, wäre dann jedoch unvermeidlich.

Laxminarayan von ACM holt auf

Hinter dem HSBC Fonds erzielte der ACM India Liberalisation Fund sowohl über ein, drei und fünf Jahre den zweitgrößten Mehrwert für seine Anleger. Seitdem Bhaskar Laxminarayan den Fonds im August 2003 übernommen hat, weist dieser bei weitem die größte Outperformance zum IFC Index (13,5 Prozent p.a.) auf. Besonders in den letzten sechs Monaten konnte sich Laxminarayan, der den Fonds mit lokaler Unterstützung aus Singapur verwaltet, stark von der Konkurrenz abheben. Der ACM Fonds ist nämlich auf Titel fokussiert, die vom steigenden Wohlstand in Indien profitieren. Im Unterschied zu Duggal hält Laxminarayan nur knapp 40 Aktien im gerade einmal 180 Mio. Euro großen Portfolio, wobei die zehn größten Positionen rund 45 Prozent des Fonds ausmachen.

Derzeit setzt Laxminarayan stark auf Titel aus dem Infrastrukturbereich: "Über die nächsten fünf Jahre rechne ich mit jährlichen Infrastrukturinvestitionen im Ausmaß von 50 Milliarden US-Dollar, großteils in Straßen und Eisenbahnen."

Wie schlagen sich die Neuen?

Jüngstes Mitglied in der Assetklasse Indien-Aktienfonds ist neben dem im August 2004 gestarteten Fidelity Funds – India Focus, der erst ein Monat alte Meinl India Growth. Während der Fidelity Fonds seit Auflage mühelos mit HSBC, ACM & Co. mithalten kann, liegt der von Ray Jovanovich (Credit Àgricole Asset Management Asia) verwaltete Meinl Fonds jedoch deutlich hinter dem Feld zurück. Die enttäuschende Performance im letzten Monat – der Fonds legte gerade einmal ein Prozent zu während der Markt elf Prozent stieg – führt Wolfgang Matejka, Chief Investment Officer der Meinl Bank, auf den niedrigen Investitionsgrad zurück: "Verzögerungen aufgrund der indischen Börsenaufsicht haben dazu geführt, dass der bereits 20 Millionen Euro große Fonds erst einen Investitionsgrad von unter 50 Prozent aufweist." Matejka rechnet aber in den nächsten Wochen mit einer Änderung dieser wenig zufrieden stellenden Situation. "Dann kann es endlich losgehen", verspricht er.

Börse immer noch günstig bewertet

Die Vorzeichen seien jedenfalls weiterhin gut: "Mit einem KGV von rund 13 bis 15 ist die Börse Mumbai im internationalen Vergleich trotz der starken Kursanstiege günstig bewertet", so Ray Jovanovich. Der Aufholprozess, der zu diesen starken Gewinnen geführt hat, sei jetzt zwar vorbei. "Mit einem Gewinnwachstum 2005 von nahezu 20 Prozent verspricht der Markt aber weiterhin gute Chancen". Ähnlich sieht die Lage Sanjiv Duggal: "Im Schnitt der letzten 15 Jahre war die indische Börse mit einem KGV von 18,5 bewertet, derzeit liegen wir bei 13."

Fazit

Unter dem immer größer werdenden Angebot von Indien-Aktienfonds gibt es vor allem zwei Spitzenprodukte: Der HSBC Indian Equity Fonds überzeugt vor allem durch seine lange Erfolgshistorie, ist aber mit einem Volumen von 2,6 Mrd. US-Dollar mittlerweile schon sehr groß und das Portfolio mit 153 Positionen relativ breit gestreut. Eine immer ernster zu nehmende Alternative ist der ACM India Liberalisation Fund. Seitdem Fondsmanager Bhaskar Laxminarayan den Fonds im August 2003 übernommen hat, weist dieser die beste Performance aller Indien-Fonds auf.

Alle Daten per 15.6.2005 in Euro / Quelle: Lipper

LINK: Den gesamten Artikel (mit Tabelle aller Indien-Aktienfonds) finden Sie hier.